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Ein Bullenkopf macht den K-Block leer

„Das Gericht verkennt nicht, dass das Risikospiel gegen RB Leipzig aufgrund der Bemühungen des Vereins gewaltfrei abgelaufen ist. Gleichwohl zeigen mehrere Fälle nach dem Pokalspiel, dass Dynamo Dresden derzeit aufgrund des Verhaltens Teile seiner Anhänger keine günstige Prognose gestellt werden kann.“

Ach. Wenn das so ist. Da können wir beim nächsten Mal also wieder ordentlich drauf hauen. Kommt ja unterm Strich aufs Gleiche raus.

Doch halt, langsam, Schaum vorm Mund ist nur von Nutzen, wenn er vom Bier und nicht vom DFB verursacht wird.

Halten wir stattdessen an dieser Stelle einen Augenblick inne und sind dankbar, dass der große Vorsitzende des Sportgerichts, Hans E. Lorenz, ein Auskommen bei der Mafia dem tierliebsten Familienverband der Welt gefunden hat. Nicht auszudenken, was er z. B. als Lehrer mit unseren Kindern angerichtet hätte. „Ich habe durchaus bemerkt, dass du dich nicht geprügelt hast, dafür gebe ich dir einen Verweis fürs Kippeln.“

Ordnung muss sein! Und wer könnte diesbezüglich eine größere Vorbildwirkung auf die jungen Menschen in den deutschen Stadien haben, als der durch und durch integre, moralischen Grundwerten verpflichtete DFB, quasi der institutionalisierte Selbstreinigungsprozess. Dessen verbandsinternes Ausmaß  in den vergangenen Monaten ungefähr mit dem geistigen Horizont und der Kreativität jener übereinstimmen dürfte, die auf die Idee kommen, einen Bullenkopf mit ins Stadion zu nehmen und auch noch fallen zu lassen.

Quatsch ist übrigens, der DFB würde mit zweierlei Maß urteilen. Gern wird dann von Dynamofans Eintracht Frankfurt ins Feld geführt, die angeblich gar nicht bestraft würden. Nicht mal für die Pyro und Raketen in Magdeburg. Diese Aussagen zeugen aber eher von Unwissenheit. Anders gesagt: Weil man noch keinen Koboldhai gesehen hat, bedeutet das nicht, es gibt ihn nicht. Kann man beides nachlesen. Eintracht-Strafe hier und Koboldhai hier.

Richtig ist allerdings, der DFB hat jedes Maß verloren. Strafen werden der Strafe willen ausgesprochen. Das Vergehen kann gar nicht klein genug sein, um verurteilt zu werden. Welche Wirkung das haben könnte, bleibt komplett unberücksichtigt. In den vergangenen Jahren konnte man sich bei dem ein oder anderen drastischen Urteil aus Frankfurt ein gewisses Verständnis abringen. Sei es, weil Raketen in gegnerische Blöcke oder Böller, Feuerzeuge, sonstwas auf den Rasen geflogen sind. Sei es, weil irgendwo ein paar dynamische Honks einen Einlass oder Blöcke überrannten. In derartigen Fällen war auch Selbstkritik angebracht und nötig. Bei allem den Fußball noch immer verklärenden romantischen Proletentum, gibt es Entgleisungen, die nicht dazu gehören. Strafen für verantwortungslose Handlungen mobilisieren durchaus die viel beschworenen Selbstreinigungskräfte im Verein.  Die Vergehen werden weniger und weniger, die Urteile bleiben die gleichen. Und dass bei Dynamo in den vergangenen Monaten, Jahren sich viel Positives entwickelt hat, sieht nur nicht, wer es nicht sehen will. Justitia hat übrigens nicht die Augen verbunden, um blind zu urteilen, sondern weil das Recht ohne Ansehen der Person gesprochen werden soll…

Aber jetzt bekommt der Verein eine drakonische Strafe für eine eklige, erschreckend primitive Aktion, zwei Mal Pyro und einen Fan auf dem Spielfeld. Nicht auszudenken, welche Gefahren vor allem von Ersteren und Letzteren ausgehen. Gerade dieser Tierschädel hat sicher unzählige der verbandskompatiblen stromlinienförmigen Leipziger Fußballkonsumenten derart hart getroffen, dass sie ihren Kindern verboten haben, Blinde Kuh zu spielen, aus Angst, ihrem putzigen Wappentier könnte etwas geschehen.

Das Schlimmste ist aber – und daran denkt bei der ganzen hitzigen Diskussion wieder niemand –  irgendwo in Nordsachsen oder Südbrandenburg fristet gerade ein Bulle ein wenig glückliches kopfloses Dasein.

Aus gegebenen Anlass noch was aus dem Archiv:

 

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  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. November 8, 2016 um 11:41 am

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