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Sing mei Ire, sing

Was wird bleiben von dieser Europameisterschaft in Frankreich? Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand Boatengs Sensationsrettungstat gegen die Ukraine, Spanien als Europameister, vielleicht auch Island und singende (Nord)Iren. Denn alle lieben die Männer von der Grünen Insel. Unsere Weltmeister können heute 10:0 gegen Nordirland gewinnen, deren Fans bleiben trotzdem die Sieger des Spiels.
Weil diese fröhlichen Säufer das machen, was einst der Job eines jeden pflichtbewussten Fußballfans war: Stimmung. Schwankend Bier schwenkend. Da aber die allermeisten Fanblöcke bei der EM von langweiligen, in die Kamera winkenden und bescheuerte Hüte, Masken, Perücken tragenden Eventsupportern und/oder noch bescheuerteren Prügelknaben besetzt sind, lassen uns die Iren für einen Moment an der Ursprünglichkeit des Fandaseins schnuppern: Ein Bier. Ein Ball. Ein Lied. Die randalieren nicht. Die wollen nur singen.
Weil die „besten Fans der EM“ so unglaublich beeindruckend sind, werden sie kurzerhand selbst zum Event gemacht. Kein Tag keine Stunde vergeht, in der nicht ein Video auftaucht, in dem eine Gruppe Rothaariger irgendwo den Mund aufmacht und irgendwen oder irgendwas ansingt. Plötzlich ist jedes Kneipen-Gelalle ein einzigartiger Gänsehautmoment. Was mit „Will Griggs on fire“ sehr sympathisch seinen Anfang nahm, wird zur unendlichen Geschichte. Iren singen im Stadion, Iren singen in der Stadt, Iren singen und tragen dabei jemand auf den Händen, Iren singen mit Schweden, Iren singen eine Frau an, Iren singen ein Baby in den Schlaf. Was machen die eigentlich, ohne dabei zu singen?
Es wird nicht mehr lange dauern, bis der erste Windel-Werbespot von fröhlich dreinblickenden Allerweltsiren tiriliert wird. Natürlich viral und mit einem total geilen Augenzwinkern der Konzepter.
Und schon bald wird bei Facebook und Twitter die #irishsongchallenge steil gehen. Jeder zieht sich dann ein grünes Trikot an und trällert ein Lied, um sich anschließend ein schales Kilkenny über den Kopf zu kippen. Allein für den guten Zweck. Vielleicht ja Gesangsunterricht für die Deutschen.

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