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Spuckelch der Saison: Dynamo Dresdens „so genannte Fans“

Nominiert für den Spuckelch der Saison ist das Inklusionsprojekt „Schwarz gekleidet und vermummt“ der Ultaszene der SG Dynamo Dresden.

Für ihre Tätigkeit wird die neue Kategorie „Integration“ ausgelobt.

Weitgehend unbemerkt von der jubelnden Masse etablierte sich in der Szene eine gelebte Toleranz gegenüber den Schwachen der Gesellschaft. Blindgängern, emotionalen Krüppeln und geistig Armen  wird wie selbstverständlich ein soziales Umfeld gegeben. Diese Menschen mit cerebraler Amputation müssten sonst gefangen zwischen geistiger Leere und sozialer Inkompetenz ein einsames Leben als Heimkind fristen. Dank des seit Jahren erfolgreich arbeitenden Modellprojekts erfahren sie aber Anerkennung und Zuneigung. Ob sie dies bewusst wahrnehmnen oder nur im Unterbewusstsein verarbeiten, spielt für die Verantwortlichen dabei eine nur untergeordnetet Rolle.

Wie die jüngsten Ereignisse in Rostock zeigen, wird die Anerkennung der Projektarbeit immer wieder zurückgeworfen. Einige der betreuten Blindgänger hatten am Sonnabend einen bedauernswerten Ausbruch des Raketentouretts. Die Betroffenen können ihre Handlungen dann kaum kontrollieren.

Bei der Nominierung wurde deshalb besonders hoch angerechnet, dass dem Inklusionsprojekt „Schwarz gekleidet und vermummt“ die Schicksale ihrer Anvertrauten noch wichtiger sind, als die Liebe zum eigenen Verein. „Natürlich tut es uns Leid, dass durch solche unglücklichen Vorkommnisse wie in Rostock dem Verein Schaden zugefügt wird, aber wir haben eine Verantwortung für diese Menschen übernommen und können sie nicht einfach fallen lassen. Sie haben doch sonst niemanden.“, stellt ein Integrationsbeauftragter des Projekts dar, der aus Angst vor Missverständnissen seinen Namen nicht nennen will. Man wolle den Raketenmännern auch kein Vorwurf daraus machen – trotz vieler Appelle im Vorfeld – gegen den Verein gehandelt zu haben. Schließlich können die meisten weder denken, geschweige den Lesen.

In welcher Zwickmühle die Projektverantwortlichen stecken, zeigt ein Beispiel aus der Vergangenheit. Beim Auswärtsspiel in Cottbus wurden aus Liebe zur SGD die größten Problemfälle in Dresden gelassen. Das hätte ihnen beinah das Leben gekostet. „Ohne Hilfe konnten sie sich nicht daran erinnern, wie man atmet“, erinnert sich ein Helfer noch Monate später mit Grauen.

Doch es gibt auch immer wieder Hoffnungsschimmer. Wie der 18-jährige J. Als Kind warf er ein halbes Dutzend Böller in einen Katzenkorb, weil die Miezen nicht schwarz-gelb waren. Später räucherte er mit Silvesterraketen ein Krähennest aus. Er hatte das „KraKra“ der Vögel als „Hansa“ verstanden. Damals holten sie ihn in das Projekt. Nach monatelanger Vermummungs- und Hassmusiktherapie zeigten sich bei ihm die tatsächlich die ersten menschlichen Regungen. So gab er an, dass er am Sonnabend mit der Leuchtmunition auf den Hansablock gar nicht so genau gezielt hatte, obwohl ihn die Hansaschweine mit ihren Trikots und Fahnen provoziert hatten.

In solchen Momenten wissen die Projekt-Macher, dass sie den richtigen Weg gewählt haben. J. hat immerhin Kontakt zu seiner Außenwelt aufgenommen und eine Art sozialer Wahrnehmung empfunden. Auch wenn die empörte Masse diese positive Seite nicht sehen will.

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  1. Singwitz, Klaus
    November 30, 2014 um 1:13 pm

    eine klare Aussage, ich schlage vor, dass die „leidgeprüften“, neben dem „ehrenpreis“, auch noch eine sitzmöglichkeit im stadion bekommen, müssen doch die armen so einfach auf einen stehplatz, zusammengedrängt in einer dunklen, schweigenden masse stehen, kein wunder wenn dann traumatische ereignisse ihr handeln bestimmen. auch sollten wir, gemessen an der atemnotzuständen, die ja offensichtlich des öfteren eintreten, auf die so anstrengenden auswärtsfahrten verzichten damit die erforderliche ruhe im fußballfanleben entsprechend vorhanden ist. sollte dann bei stadienbesuchen in Dresden die stimmgewaltige kulisse der anderen DRESDENER-FANS sich negativ auf die zu betreuenden auswirken können wir ja auf diese fans verzichten und müssen nicht den DFB bemühen dieses für den Verein zu tun. wir wollen das es allen gut geht bei DD, wir tun etwas dafür, packen wir es an, K-Block mit sitzplätzen ausstatten, keine auswärtstickets mehr und etwas mehr ruhe für den DFB, wenn das nicht hilft, nur noch die „pflegefälle“ ins stadion und die störenden familienfans können zu hause bleiben….

  2. Tobi
    November 30, 2014 um 10:57 pm

    Ich bin als Dynamofan auch der MEinung das Diejenigen die meinem Verein seid vielen Jahren schaden endlich zur Rechenschaft gezogen werden müssen! Und ich unterstelle Hansafans Intelligenter zu sein als den Mitgereisten der Dynamofans. Wochen vorher provozieren(sowas wie Sachsen jagen, oder Autos mir DD im öffentlichen Raum verbrennen. Oder in der Halbzeit eskalieren mit dem Ultrablock neben dem Auswärtsblock. Nachher eine Polizeistation angreifen…weil Dynamofans nicht zugegen waren)aber im Spielbetrieb sich so verhalten das der DFB alleine Dynamo bestrafen kann……Hab schon nach Dortmuns(in Hannover war ja nix)den Doppelpass gefragt ob es reichen würde wenn ich 3 von den Pyrozündern erschieße und vor dem Block aufhänge. Da ja der Polizeiverantwortliche in der DFB-Verhandlung gesagt hat das die Polizei Straftäter in den Block lässt weil die Polizei Angst vor denen hat….und der Doppelpass hat ja gefordert das WIR normalen Fans etwas gegen die Typen machen sollen……

  3. Axel F.
    Dezember 1, 2014 um 4:53 am

    Siehst Du was Du wieder angerichtet hast mein lieber Spuckelch? Richtig, Du hast eine Sonderschublade wieder meilenweit aufgemacht. Und jetzt lädt wieder jeder seinen Müll darin ab. 23 Jahre Kriegsberichterstattung über Dynamo Dresden hinterlassen eben ihre Spuren.
    Hat von Euch Couch-Zivilcouragisten und Hobbyanalysten mal jemand daran gedacht, daß es selbst bei bestem Willen unmöglich ist, eine kriminelle Clique von 50-80 Mann (u.a. die Truppenteile der Ex-FDO) aus dem Block zu schmeißen, ohne sich die Blöse zu geben, deutschlandweit als Lachnummer zu gelten, wenn sich im Dynamoblock auswärts oder zuhause eine interne Schlacht geliefert wird. Gleichzeitig diejenigen unter den Selbstreinigern der Szene selber mit Stadionverbot belegt werden, eben weil sie nur mit körperlicher Gewalt diesen Prozeß vollziehen könnten? Und mal ehrlich, wenn es denn bekannte und teils verurteilte Gesichter der Szene sind, sind diese den Zivilermittlern genauso bekannt.
    Aber es ist immer so einfach, in der Ultraszene in solchen Fällen einen greifbaren Schuldigen zu finden. Genauso wie man sich als Dynamofan bei gnadenlosem Dauersupport, obermegaffengeilen und teuren Choreographien im Schatten der Macher der Szene so schön sonnen kann. Und natürlich wieder die Stehplätzler, den K Block in die Gesamtverantwortung nehmen. Die werden zuhause auch immer verantwortlich gemacht, egal ob die Becher- und Feuerzeugwerfer im J oder M sitzen, die übelsten Pöbeler im VIP am Spielertunnel, die Provokateuere zum Gästeblock im R.

    Dieses Thema ist komplexer als es sich die meisten Fanhirne je vorstellen können.
    Solange unsere Justiz und die Polizeigewaltigen nicht wirklich ihre Mittel ausschöpfen, zusätzliche Ordnungskräfte, Auswärtskartenverzicht, Ticketpersonalisierung, Mitgliederverkauf, Zaunfahnenverbot, Stehplatzsperre, Geisterspiele sich als komplett untaugliche Mittel erweisen, werden wir uns im Angesicht der sich drehenden Spirale der Gewalt weiter ohnmächtig im Kreise drehen, wenn wir das Übel nicht wirklich an der Wurzel packen. Die Gretchenfrage ist aber – wo befindet sich die Wurzel denn nun konkret?
    Outlaws im Kampf um die Vorherrschaft im Block erreicht man weder mit Sozialarbeit, nicht mit Zivilcourage sondern einzig allein mit der Justiz. Und diese versagt. Genauso wie die Rostocker Polizei, die noch nichtmal stehendes 4 rädriges Inventar der Dynamofans auf einem bewachten !!! zentralen Parkplatz zu schützen in der Lage ist.
    Kein fanatischer Dynamofan würde im vollen Bewußtsein eines zu erwartenden 6 stelligen Schadens so handeln, nur die Gewalteventis, wie sie im Umfeld aller Fußballvereine etabliert sind, feuern gewissenlos ihre Leuchtspur in den Block der provozierenden Rostocker Szene, um im Vergleich der Schwänze einen obendrauf zu setzen. Und daß man räumlich überhaupt in einem 25.000er Stadion diese leider so, für mich total unverständlich, unendlich verhassten Szenen der Flaggschiffe des Ostens so nah aneinanderplatzieren kann, das wäre dann das nächste Problem, was es zu klären gäbe.

    Weitermachen Jungs

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