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Was tun, wenns mal wieder brennt?

Nach Bielefeld sind wieder alle aus ihren Löchern gekrochen und tun das, was sie am Besten können: Fordern. Härteres Vorgehen, konsequentes Handeln, knallhartes Durchgreifen.

 

Prima Ideen! Nur die dazu gelieferten praktikablen Lösungen sind wie immer äußerst übersichtlich. Die dümmstmögliche Forderung nach Ligaausschluss wird an dieser Stelle wegen ihrer pathologischen Primitivität ignoriert. Weiterhin wäre da der übliche sinnlose Aktionismus: Stehplätze weg und personalisierte Tickets. Hätte beides in Bielefeld  wenig verhindert, da der Bürgerkrieg vorrangig vor dem Stadion tobte.
Dann hätten wir den grotesken Aufruf von Sachsens Innenminister (wem sonst?). Er will, dass seiner Polizei die Ermittlungsarbeit abgenommen wird, indem wir helfen, die Täter zu finden. Dürfen wir bei der Gelegenheit gleich noch belastbares Filmmaterial mitliefern, um die Täter zweifelsfrei zu überführen? Denn die letzten Fahndungsfotos von Randalen lieferte die Polizei gefühlt 2002 (hier lass ich mich gern eines Besseren belehren). Einfach zu behaupten, „der war dabei“, dürfte Staatsanwälte und Richter wenig überzeugen.
Das ist eng verbunden mit der nächsten ins Leere laufenden Initiative. Des Deutschen Lieblingslösung: Die  gnadenlosen Strafe. Irgendwas zwischen Aufknüpfen und Steineklopfen bei Wasser und Brot ist immer drin. So werden Übeltäter nach Art des gesunden Volkszorns geläutert. Grundsätzlich müssen die Randalierer natürlich zu Verantwortung gezogen werden. Aber eine nach Vergeltung lechzende Öffentlichkeit dürften die zu erwartenden Urteile ebenso wenig befriedigen, wie die Täter abschrecken.  „Nie da gewesenen Ausschreitungen“ setzen sich in der Regel daraus zusammen, dass ein Mob  vor allem laut ist, böllert, zerstört, Polizisten und Zivilisten angreift. In der Summe ein furchtbares Bild aber vor Gericht muss jedem Einzelnen nachgewiesen werfen, was er konkret getan hat. Wenn Einzeltaten bewiesen sind, handelt es sich um Sachbeschädigung, Land- oder Hausfriedensbruch und Körperverletzung. In der Haut des Richters möchte ich nicht stecken, daraus eine drakonische Strafe zusammenzuzimmern. Abschreckend dürfte die kaum werden.

Was bleibt? Es gibt immernoch keine schnelle Lösung. Es muss weiter an der Basis gearbeitet werden. In Dresden hat sich in den vergangenen Jahren viel zum Positiven geändert, auch wenn wir das in der aktuellen Endzeitstimmung gern vergessen. Dank der Fanarbeit, zahlreicher Projekte, Initiativen und der integrativen  und kanalisierenden Funktion von UD. Nur sie gemeinsam können den Randalierern weiter den Nachwuchs entziehen. Irgendwann wächst sich das aktuelle Geschwür hoffentlich raus. Wir Fans können das vielleicht ein wenig beschleunigen, indem wir die Chaoten isolieren und bloßstellen. Und nicht in Stammtischrunden und nach dem Gucken von „Hooligans“, „The Firm“ oder „Football Factorys“  die Hooliganbewegung romantisieren – als männlich, cool und irgendwie rebellisch. Abgesehen davon, ob dies tatsächlich je so war, haben die Vorfälle in Dortmund, Hannover, Kaiserslautern und Bielefeld mit den klassischen Hooligans so viel zu tun, wie RB Leipzig mit Fankultur.

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  1. hourglass
    Dezember 10, 2013 um 12:51 pm

    Obwohl ich Dir in vielen Punkten zustimme, muss ich den Satz mal relativieren:

    „Abgesehen davon, ob dies tatsächlich je so war, haben die Vorfälle in Dortmund, Hannover, Kaiserslautern und Bielefeld mit den klassischen Hooligans so viel zu tun, wie RB Leipzig mit Fankultur.“

    Der klassische Hooliganismus ist in meinen Augen eine Erfindung der Neuzeit. Den hat es vielleicht punktuell gegeben, aber abgesehen von Pyrotechnik hat viel von dem, was aktuell außerhalb der Stadien stattfindet, auch früher schon stattgefunden. Das neue ist vielleicht die mediale Berichterstattung und die öffentliche Anteilnahme an solchen Vorfällen, aber unbeteiligte Personen hat es auch damals schon getroffen.

    • spuckelch
      Dezember 10, 2013 um 1:10 pm

      Du hast sicher Recht und ich sehe das ähnlich. Deshalb habe ich auch versucht es zu relativieren („ob dies tatsächlich so war“). Ich wollte mehr darauf hinaus, dass diese Hooligan-Romantik nur im Film und bei Lagerfeuergeschichten existiert.

  2. stean
    Dezember 10, 2013 um 11:47 pm

    Guter Text, wie so oft. Aber wie würdest du die Methode „Chaoten isolieren“ im Verhältnis zu „Umdenken durch Integrieren“ bewerten? Wäre es nicht besser, zu versuchen, die Aus-der-Rolle-Faller an die Sportgemeinschaft zu binden, anstelle sie von uns zu trennen und ihnen damit (noch) weniger Anlass zu geben, sich für den Verein zu interessieren und dessen (wie auch immer geartete) Schädigung zu unterlassen? Klar, ein gewisser Prozentsatz der Gesellschaft und damit auch der Fans wird immer über die Maßen renitent bleiben, aber deren Verfolgung sollte, bei „echten“ Straftaten, den Strafverfolgungsbehörden zukommen, denke ich.

    Mir würde es zumindest schwerfallen, jemanden bloßzustellen (und damit auch der öffentlichen Meinung zu opfern), der bei nem Stadionmarsch ne Fackel zündet oder ausm Konsum ne Flasche Schnaps mitgehen lässt. Ich vermute, du spielst auf gravierendere Vorfälle an, aber wer sollte wo die Trennlinie ziehen? Ich denke, das kann ein Verein und seine Fanszene sich nur schwer aufhalsen, wohingegen genau dies eine Aufgabe wäre (relevante Straftaten erkennen und ahnden), für die sich der zielgerichtete Einsatz all der BFEs & Co. tatsächlich einmal lohnen würde. Klar gibt es auch (mehr oder weniger) subtilere Methoden, Chaoten zu isolieren (sprich: szenen-intern, wie schon geschehen) – aber das wird ja von der Öffentlichkeit nicht oder nur kaum gewürdigt, wie wir sehen…

    • spuckelch
      Dezember 13, 2013 um 10:48 am

      Natürlich wäre das Integrieren die Königsklasse und ich denke auch, dass da szeneintern viel getan wird. Aber den stetig „uneinsichtigen“ sollte schon die kalte Schulter gezeigt werden. Natürlich meine ich gravierende Vorfälle. Fackeln gehören da keinesfalls dazu. Eine konkrete Grenze würde ich bei erntshaften Straftaten ziehen, ich glaube, da gibt der gesunde Menschenverstand auch ne Entscheidungshilfe. Grundsätzlich finde ich die interne Lösung aber immer besser, dass die nicht in der Öffentlichkeit liegt in der Natur der Sache. Für die reichen eben jene markigen Worte, mit aller Härte gegen wenauchimmer vorzugehen.

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