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Dynamos Waldschlößchenbrücke

Der kleine Verein mit dem großen Namen zeigt Eier und zieht mit hochgeklappten Visier in die zivilgerichtliche Schlacht gegen den Goliath DFB. Die Richter schließen sich vorurteilsfrei dem Kampf der Dresdner an. Ihr Urteil: Der Pokalausschluss war  falsch. Faktisch wird damit § 9a DFB-Rechts- und Verfahrensordnung kassiert. Der DFB sinkt in den Staub, Dynamos Existenz hängt nicht mehr am seidenen Chaotenfaden und der Rest der Fußballrepublik bereitet dem Sieger einen triumphalen Empfang. Der Inhalt feuchter Fanträume: Dem DFB mal so richtig ans Bein zu pissen – höflich ausgedrückt.

Also ist doch alles klar! Warum steht die Geschäftsführung dann kurz davor, nicht vors Oberlandesgericht Frankfurt zu ziehen und stattdessen mit dem DFB „auf Kuschelkurs“ zu gehen?

Darüber redete Herr Müller beim Fanstammtisch und machte einen sehr informierten, leidenschaftlichen und authentischen Eindruck. Möglicherweise durchschaue ich den perfiden dahinterstehenden Plan nicht aber er wirkt glaubhaft, dass es ihm um das Wohl des Vereins geht und nicht um eine Einladung zur nächsten DFB Lustreise.

Der DFB machte – ganz klar aus Angst vor einer juristischen Niederlage, die mit dem Verlust seines wichtigsten Machtinstrumentes einher ginge – dem Verein ein Angebot. Denn schlecht stehen die Chancen nicht, §9a zum Kippen zu bringen.

Sollte Dynamo die Klage nicht einreichen, werden die noch 13 offenen Verfahren glimpflich bestraft. Was vor allem für die Randale in Kaiserslautern und die Pyro gegen Osnabrück von Relevanz wäre. Alles sollte mit einem niedrigen fünfstelligen Betrag „abbezahlt“ werden.
Außerdem würde das Vorstrafenregister Dynamos auf 0 gesetzt. Damit drohten bei  nächsten Ausschreitungen oder Pyroaktionen keine drakonische Strafen, sondern man würde wieder beim Einstiegspreis landen. Der DFB würde dies Amnestie öffentlich machen. Darüber hinaus stellt der Verband Gespräche in Aussicht, die Anwendung des §9a zu reformieren. Dazu könnte etwa gehören, dass ein starkes Engagement der Vereine gegen Randalierer sich strafmildernd auswirkt.

Das Angebot hat aber auch einen erpresserischen Teil (Verhandeln auf Augenhöhe sieht anders aus): Sollte die SGD klagen, werden die 13 Verfahren hart bestraft. Sieht nach Teilausschluss von Fans aus. Bei weiteren Vorkommnissen ginge es in Richtung Ligaausschluss. Denn bis die Gerichte abschließend geurteilt haben, kann sich noch hemmungslos mit der verschuldensunabhänigen Haftung ausgetobt werden, was man im Fall vom Osnabrückspiel nichtmal bräuchte.

Unabhängig von der Prinzipfrage, wie schön es wäre, dem DFB eine Niederlage beizubringen und Gerechtigkeit durchzusetzen oder der Genugtuung, eine Revolution gegen die Mafia in Frankfurt zumindest versucht zu haben, sollte im Zentrum aber die Frage stehen:

Was bringt es Dynamo Dresden?

Welche Vorteile hätte eine Klage?

Verein und große Teile der aktiven Fanszene würden den auf dem 2. Fantreffen (8. März) beschlossenen Weg gemeinsam weitergehen. Die Glaubwürdigkeit der Gremien in der Fanszene bliebe erhalten, da sie zu ihrem damals gegebenen Wort stünden. Der Riss durch den Verein und eine mögliche Radikalisierung von Teilen der Ultras ließen sich vermeiden. Der Verein würde Stärke beweisen und nicht vor dem DFB einknicken. Im Fall einer erfolgreichen Klage wäre § 9a faktisch außer Kraft gesetzt, was ein Sieg der Gerechtigkeit über das Recht wäre und durchaus eine Verbesserung der Situation mit sich bringen könnte. Dynamo würde nicht mehr für die Auswüchse einiger Fans bestraft. In den Augen vieler scheint dies eine Art Heilsversprechen für die Existenz des Vereins zu sein.

Der Paragraf 9 a wäre zwar abgeschafft, unglücklicherweise aber nicht der DFB. Der dann zwar geschwächt aber nicht machtlos und extrem sauer ist. Die Sicht von Verband und Innenpolitikern auf die vermeintliche Gewalt im Fußball und vor allem die Dynamochaoten würde sich keinesfalls ändern. Auch das Verbot von Pyro, Strafe bei Kassenrollen und die Überbewertung von Randalen blieben uns erhalten und müssten bestraft werden. Das Straftäter beim Fußball ausschließlich strafrechtlich belangt werden, wäre mit dem Ende von 9a ja nicht gesagt. Der DFB muss und wird andere Wege finden, seine Macht zu demonstrieren und Stärke zu zeigen. Letztlich muss bei jedem neuen Fall nur festgestellt werden, dass der Verein Dynamo an den Verfehlungen seiner Fans eine Mitschuld trägt. Denn keinesfalls darf die Politik den Eindruck bekommen, der Verband hätte nicht alles im Griff. Also werden die Gräber für die Fankultur nicht mehr mit der Schaufel, sondern mit dem Bagger ausgehoben. Jede drastische Maßnahme zur angeblichen Erhöhung der Sicherheit im Stadion (Stehplatzverbot, Nacktscanner, Ticketpreise, personalisierte Tickets, Kameraüberwachung) – jeder Ersatz für 9a – würde mit dem Fingerzeig begleitet: Bedankt euch bei Dynamo.

Im Fall einer Niederlage vor Gericht gibt es keine Vorteile. Dann dürfte vermutlich nie wieder ein Dynamofan im Stadion einen Bierbecher fallen lassen, ohne dass es zum Lizenzentzug kommt. Aber immerhin hätten wir die endgültige Gewissheit, dass diese Ungerechtigkeit rechtens ist.

Vorteile eines Klageverzichts

Der Verein würde aus der Spirale des Wettrüstens gegen den DFB ausscheren und zeigen, dass er nicht nur drohen kann, sondern auch dialogbereit ist. Die existentielle Gefahr, bei den nächsten Randalen mit Zuschauerausschluss oder Lizenzentzug bestraft zu werden, wäre zunächst abgewendet. Sicher ist es nicht auszuschließen, dass die Randalespezialisten innerhalb kurzer Zeit das Vorstrafenregister wieder anschwellen lassen. Vielleicht trägt aber auch der die positive Entwicklung in der Fanarbeit der vergangenen Jahre Früchte und wir pendeln uns auf ein Randalemaß im Bundesligaschnitt ein.

Im Fall einer Klage setzt der DFB seine Propagandamaschinerie in Gang. Stoßrichtung: „Statt gegen die Chaoten vorzugehen, versucht sich Randaleclub mit juristischen Winkelzügen zu retten.“ „Der Verbrecher wird nicht unschuldig, wenn er die Gesetze ändert.“ Es gibt genug Medien und Promis, die dankbar dafür sind, mit Dynamo Aufmerksamkeit zu bekommen. Dynamo würde deutschlandweit noch negativer wahrgenommen (so es da noch eine Steigerung gibt), als Verein der sich nur aus seiner Verantwortung stehlen will und das Nest der Fußballfamilie beschmutzt. Jede Lapalie würde medial als schwere Ausschreitungen hochgegeigt. Natürlich ist dieser Ruf uns Fans egal, wir haben uns dran gewöhnt, zu den Bösen zu gehören und ein bisschen fetzt es auch. Für die Sponsorensuche ist Image aber von zentraler Bedeutung. Je schlimmer die Schlagzeilen werden, umso schwerer fällt es Unternehmen, mit ihrem Namen bei Dynamo zu werben. Faktisch Geld dafür auszugeben, den eigenen Ruf zu ruinieren. Ob und wie diese Nachrichten gerechtfertigt sind, interressiert niemand. Das berührt die Existenz der SGD elementar.

Aus wirtschaftlichen Überlegungen auf die Klage zu verzichten, ist im Hinblick auf den Verlust durch einen drohenden Teilausschluss allerding kaum nachvollziehbar, da könnte der Verein sich sicher wieder auf die finanzielle Hilfe seiner Anhänger verlassen. Etwas kreatives zum Geldsammeln wird sich wohl finden. Auch wenn der FDGB-Pokal aus dieser Sicht ein eher überschaubarer Erfolg ist.

Der u. a. im UD-Brief thematisierte Fakt, alles wäre umsonst gewesen, wenn wir nicht klagen, ist ebenfalls fragwürdig, da die Zugeständnisse des DFB an Dynamo beileibe keine Kleinigkeit sind. Aus Sicht des Verbandes kann dieser auch als eierlos dastehen, sich derartig von Dynamo Dresden am Nasenring durch die Manege führen zu lassen. Dieses Angebot hat genug Potential für Schlagzeilen wie: „DFB lässt sich von Randale-Club erpressen.“

Allerdings besteht natürlich die Gefahr, dass der DFB darauf setzt, Dynamo jetzt erstmal zu beruhigen und nach einer formalen Schonfrist wieder zuzuschlagen. Wie genau der Verband es mit Zusagen nimmt, hat der Abbruch der Pyro-Verhandlungen gezeigt. Wobei man Dynamo durchaus zutrauen darf, sich entsprechend schriftlich abzusichern.

Alles in allem scheinen die Vorteile des Klageverzichts für den Verein zu überwiegen. Auch wenn die Abschaffung des §9a verlockend ist und die Gelegenheit dazu wohl nie wieder so günstig sein wird, ist es eine heikle Angelegenheit, sich derart mit dem größten Sportverband der Welt anzulegen. Wie groß dessen Einfluss ist, zeigt auch, dass sich kein anderer Verein der unter 9a leidet uns anschließt. Nichtmal eine Solidaritätsbekundung gibt es bis heute. Selbst wenn wir Recht bekämen, hieße das offensichtlich nicht, dass der DFB keine Möglichkeiten mehr hätte, daraus einen Pyrrhussieg für die SGD zu machen.

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  1. Oktober 11, 2013 um 11:06 am

    Sehr interessante Ausführungen. Erinnert ein bisschen an die Situation des ehemaligen Profis Bosman, von dessen Einsatz vor Gericht heute viele Spieler profitieren, der selbst aber nichts mehr davon hatte.
    Darf ich frage, welche Option du persönlich bevorzugst?
    Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Glück.

    • spuckelch
      Oktober 12, 2013 um 9:18 pm

      Naja, persönlich würde ich den kranken Spatz in der Hand, der toten Taube auf dem Dach vorziehen.

  2. David Walter
    Oktober 11, 2013 um 2:00 pm

    Meines Erachtens hat eine Klage nur Sinn wenn sich eine Großzahl der Profivereine mit Dynamo öffentlich solidarisiert. Da dies wohl nicht der Fall sein wird muß Dynamo wohl im eigenen Zukunftsinteresse dem Angebot des DFB zustimmen. Da der Verein sportlich wie wirtschaftlich auf der Kippe steht sehe ich persönlich keine andere Alternative auch wenn es mir eigentlich gegen den Strich geht!!!

  3. forbi
    Oktober 11, 2013 um 2:18 pm

    Schöne Zusammenfassung der Argumente, liebster Spucki. Was mich an der ganzen Diskussion bislang immer störte, dass es ausschließlich um § 9a ging. Der ist aus meiner Sicht nicht das wirkliche Problem und den wird Dynamo vor einem Zivilgericht (Stichworte: Verbandsautonomie, Feyenoord-Entscheidung des CAS) auch nicht knacken. Das eigentliche Problem liegt in dem, was GF Müller als „Spirale“ bezeichnet: Dynamo wird -obwohl juristisch kein Täter, sondern Zurechnungsempfänger fremden Verschuldens- als „Wiederholungstäter“ behandelt und bekommt mit jedem neuen Fall quasi noch einen Nachschlag für bereits abgeurteilte Fälle, was zu einer Spirale der sich immer mehr erhöhenden und letztlich existenzgefährdenden Bestrafungen führt. Dieser Nachschlag für bereits abgeurteilte Fälle ist ein klassischer Fall von DOPPELBESTRAFUNG und DIE gehört vor dem Zivilgericht angegriffen. Wenn aber der DFB das Vorstrafenregister löscht, dann hat sich das Doppelbestrafungsproblem -zumindest vorerst- erledigt. Sprich: Dynamo erreicht ohne Prozess genau das, was mit Prozess ohnehin maximal möglich wäre. Das Risiko, vor dem OLG und beim weiteren Gang durch die Instanzen auf die Fresse zu fliegen, ist angesichts der geringen Chancen, mehr als mit dem jetzt in Aussicht stehenden Deal zu erreichen, viel zu hoch. Auch könnte, und dies hat Spucki richtig erkannt, eine Abschaffung von § 9a ein Pyrrhussieg sein, der uns am Ende erst recht die Existenz, zumindest aber jede Reputation kostet. Denn eines ist klar: Selbst wenn § 9a gekippt wird, werden die Herren Lorenz und Eilers nie wieder so blöd sein, und in ihre Urteile reinschreiben, dass den Verein keinerlei Schuld traf. Irgendein Schuldvorwurf -letztlich reicht einfache Fahrlässigkeit- wird sich finden lassen und lässt sich juristisch auch bei Auswärtsspielen begründen: Wenn ich weiß, dass meine Anhänger Probleme bereiten könnten und der Gastgeberverein kraft seiner Europapokalarroganz auf mein vorgeschlagenes Sicherheitskonzept nicht eingeht (so lautet ja die Argumentation nach DO und H), darf ich selbst keine Karten verkaufen. Eine solche Begründung ist zwar bescheuert, weil sie jeden Dynamofan, der eine Karte für ein Auswärtsspiel kaufen will, unter Generalverdacht stellt. Juristisch ist eine solche Begründung unter dem Apekt der Prävention und der Gefahrenabwehr aber zumindest vertretbar und das reicht, um vor einem Zivilgericht zu bestehen. Deshalb würde sich, selbst bei Abschaffung von § 9a, die Strafenspirale weiterdrehen, wobei das Ende der Fahnenstange -sprich Lizenzentzug und damit Insolvenz- auch bei Aufhebung des Pokalausschlusses nicht mehr weit und theoretisch schon mit den noch offenen Verfahren erreichbar ist. Aus meiner Sicht ist es also völliger Quatsch, gegen § 9a zu klagen, sondern es muss sich auf die Durchbrechung des Prinzipes der Doppelbestrafung konzentriert werden, was mit dem angedachten Deal fast vollständig erreicht wird. Es liegt dann an uns Fans, die Spirale nicht erneut in Gang zu setzen.

  4. Oktober 11, 2013 um 8:55 pm

    Ja, eine rundherum als gelungen zu heißende Analyse zur Lage – http://ostfussball.com/fundstueck-des-tages-353-dynamo-dresden-vs-dfb-eier-zeigen-fuer-pyrrhussieg-1778/

    … & 🙂 -Gruß

  5. BEBerlin
    Oktober 12, 2013 um 4:26 am

    Hatte Hertha BSC im der vorherigen Saison einen eventuellen Schlüssel in der Hand, die Schiedsgerichtsbarkeit des DFB gerichtlich zu hinterfragen, so ist diese Chance bei Dynamo bei weitem größer. Hier hat es der DFB eindeutig übertrieben. Mit der obigen Stellungnahme gehe ich daher konform.

    Bloß was nützt uns das Recht, wenn es nicht durchgesetzt wird und die eine oder andere „Krähe“ nicht in das „Auge des Kollegen“ beim Schiedsgericht stechen will? Unstreitig ist doch, daß die Statuten des DFB trotz guter richterlicher Besetzung in der Schiedsgerichtsbarkeit auf der Grundlage des GG einer Überarbeitung bedürfen…

  6. Jana Röming
    Oktober 12, 2013 um 7:52 am

    Lieber Spuckkelmuss, leider muss ich dich etwas berichtigen! Bei dem Stammtisch wurde, eindeutig gesagt, dass wenn wir klagen und gewinnen, ist noch lange nicht der 9a aufgehoben. das einzige was dann festgestellt wurde ist, dass wir zu Unrecht vom Pokal ausgeschlossen wurden! Eine Abfindung in diesem Fall würde auch nicht besonders hoch ausfallen, weil dem Verein nur das Geld für die erste Runde im DFB Pokal zustände, vielleicht dann noch die Gerichtskosten, aber mehr auch nicht! Wie es dann aber um den 9a steht und wie damit weiter verfahren wird, weiß keiner. Es ist nachvollziehbar, dass der DFB um den 9a handel müsste, da sonst noch mehr klagen kommen würden. Aber mit dem Gewinn einer Gerichtsverhandlung, ist noch lange nicht der 9a, Geschichte in der Fußballwelt!
    Ansonsten finde ich deine Zusammenfassung sehr gut geschrieben, es ist alles drin was bekannt gegeben wurde.
    Ich habe mich nach dem Stammtisch auch noch mit Herrn Gabriel gesprochen und ihn wegen des Gerüchtes um Veolia ausgefragt. Unser Hauptsponsor hat NICHT gesagt, dass er den Sponsorenvertrag auflöst, sollten wir klagen! Die Befürchtung der Geschäftsführung liegt nur darin, weil demnächst die neuen Vertragsverhandlungen anstehen. Und wenn sich Dynamo gegen die „Fußballfamilie“ stellt, kann es sein das Veolia dieses Spiel nicht mit macht, gerade auch in Hinblick auf die Vorfälle mit Hansa Rostock, und dann wird es gar unmöglich einen neuen Sponsor zu finden!

    • spuckelch
      Oktober 12, 2013 um 8:03 am

      Danke für den Hinweis. Das der 9a nicht aufgehoben wird ist mir klar. Ich habe es etwas unglücklich ausgedrückt. Ich meine, dass er faktisch nicht mehr existiert, weil er nach einem für die SGD positiven Urteil des OLG oder BVG nicht mehr angewendet werden könnte.

    • spuckelch
      Oktober 12, 2013 um 8:05 am

      Und danke für die Info zum Hauptsponsor

    • Oktober 16, 2013 um 7:22 pm

      Genau das Problem mit Veolia empfand ich als Frechheit dies von Hernn Müller in den Raum zu werfen – weil das war für mich Panikmache!

  7. Axel
    Oktober 15, 2013 um 6:54 am

    Ach ja mein Elch, es ist schon eine vertrackte Situation mit der Frankfurter Mafia und unseren eigenen Höflingen.

    Nüchtern betrachtet wäre zwar der Piepmatz in der Hand was ganz Nettes, aber wie lange können wir uns an dem erfreuen, wenn weiterhin der Geier über uns kreist.
    Mit eine Fanszene anno 2004 oder 2007 wären wir jetzt vielleicht schon in der 1. zivilrechtlichen Instanz, mit nem Autokorso von 800 Autos vorm Amtsgericht Frankfurt bzw. an der Otto Fleck Schneise, mit der Fanszene 2013 und einem ehemals Frankfurter Vasallen an der Vereinsspitze und privatwirtschaftlich orientierten Dresdner Sonnenkönigen im Rat der Götter, geht uns langsam die Penatencreme für den Anus aus.

    Ich selber bin ja eher der Typ „nicht am Rand sondern mittendurch“ – in der Hoffnung am andere Ende erhobenen und zerschrammten Hauptes, lädiert aber lebend, da rauszukommen, statt sich ewig in verpowerpointetene und facebookgebrainstormten bestcase/worstcase Szenarien zeitschindend zu ergießen. Aber meine Art ist eher eine aussterbende, auch und vor allem bei Dynamo.

    Der 9a wird im Erfolgsfall nicht abgeschafft, aber der Giftzahn der Willkür und die Lizenz zum Gelddrucken wird der geballten winkeldavokatierenden Funktionärsriege in FFM gezogen. Und das wird zukünftig verhindern, daß wir dafür bestraft werden, daß wir unsere Hausaufgaben gemacht haben, aber keiner im Wessiland davon Notiz nimmt und ubnsere Erfahrungen mit unseren Spezis schlichtweg ignoriert. Und wenn dann unsere 2 Meter Hünen-Spezialtruppen bei einem Jahreshighlight über die Stränge schlagen, die Innenminister ihre Feldstudien mit uns treiben und die Pulitzerpreisträger des Springer- und GEZ Imperiums alle Facetten des wütenden, ungehobelten, randalierenden Ossis in aller Poesie in deutsche Stuben und auf deutsche Küchentische bringen, dann hat das die Nachrainers und Kochs nicht zu interessieren, sondern nur, wer Veranstalter war und wer sich wie am besten abgesichert hat – zur Prävention selbstredend.

    Wie schrieb eine Dynamolegende (nein nicht unser designierter Plapper AR Dixie) vor einigen Monaten mal so schön. Nach Belgrad ´91 hat jemand einen Scheinwerfer über uns angeknipst und der ist seitdem nie wieder erloschen. Randalierend, rechtsradikal, kommunistisch, ostdeutsch heißt die Tragikömödie im Rampenlicht. Das ist ein Bühnenstück, ein Evergreen, was von den eigenen Problemen vor der eigenen Haustür in Aachen oder Stuttgart, Hof oder Duisburg ablenkt. Die Erwartungshaltung westlich der Elbe muß immer wieder bestätigen werden, damit Verkaufszahlen stimmen und auch innenpolitische Ziele „argumentativ“ unterfüttert werden.
    Niemanden von St. Pipi bis in die Arroganzarena interessiert, was mit uns passiert. Wir werden nie Verbündete finden. Noch nichtmal im eigenen Hause. Denn was Müller so glänzend als „ihm geht es wirklich nur um den Verein“ verkauft, ist lediglich, das Bewahren seiner Karrierechancen für seine Zeit nach Dynamo. Theoretisch ist er die ärmste Sau mit der genialen Gabe, sich zwischen alle Stühle, die da rumstehen zu setzen. Zwei Bohnsche Attentatsversucher hat er gerade überstanden und statt sich aufrecht Verbündete in der Szene zu suchen, die ihn trotz schludriger Barackenarbeit noch unterstützen könnten, wählt er den halbtoten Sperling in der Hand und ignoriert den Geier, der über Dresden kreist.

    Denn wenn der zustößt, ist er schon lange wieder westwärts über die Elbe. Machen wir uns nix vor. Mit den Bohnianer und der Kurve dann als Feind, erlebt er allerallerhöchstens mit sehr viel Glück das Ende seiner Vertragslaufzeit im Juni 2014 – allerhöchstens.
    Zuvor muß er aber heute noch dem Aufsichtsrat die schriftlichen Nachweise über die Optionen des DFB vorlegen, falls er auf die Klage verzichtet. Denn da gabs bisher nur mündliches, schriftliche sachen hat er noch niemandem vorgelegt.
    Und warum er wie der Teufel das Weihwasser das Votum der Mitgliederversammlung scheut, obwohl die Fristverlängerung bis Ende November beim DFB absolut keine Hürde gewesen wäre, das weiß nur er allein. Aber wer eine MV als wahllos zusammengewürfelten unrepräsentativen Haufen betrachtet, der soll sich eine GmbH aussuchen und nicht seine vielen Brötchen im Vereinswesen verdienen.

    • spuckelch
      Oktober 15, 2013 um 8:39 am

      Hinsichtlich der MV muss ich dir widersprechen. Ich gebe allerdings zu, überhaupt kein Freund direkter Demokratie zu sein. Liegt am Menschenbild. Zugegeben, wir befassen uns vor allem mit Menschen, die sich eine relativ fundierte Meinung zu einem Thema bilden können. Diese Menschen sind aber auch unter Dynamomitgliedern eine Minderheit. Ich ziehe mal die 50 % Kartenvorkaufsrecht-Mitglieder ab. Beim Rest scheint gerade dieses Thema auf insgesamt wenig Interesse zu stoßen. Und die Mitglieder aus der Kurve sind, offenbar in der Mehrheit, für ein Weiterklagen. Damit habe ich aber meine Probleme, reflektierte Argumente, die über „wir treten dem (F** dich) DFB mal so richtig in den Arsch“ hinaus gehen, hört man da eher selten. Allerdings haben die natürlich das größte Mobilisierungspotential bei einer möglichen Abstimmung. Ich will ehrlich gesagt nicht, dass die gleichen Ronnys, die „Europapokal“ ernst nehmen, über das Schicksal auch meines Vereins entscheiden. Dann nehme ich lieber eine undemokratisches Machtwort in Kauf, welches sich ganz schnöd am Machbaren orientiert. Mein Don Quijote Idealismus, gerade drauf, als verschrammter Sieger wieder raus und letztlich nichts davon haben, ist irgendwann zwischen Lizenzentzug und Pokalausschluss verloren.
      Das Vereinswesen verkommt da immer mehr zur Traditions-Folklore.

  8. Axel
    Oktober 15, 2013 um 9:26 am

    Naja, Demokratie ist ja eigentlich auch nix anderes als ne schöne Theorie, so wie Marx eine hatte. Letztendlich muß jeder für sich entscheiden, welche Position er bezieht. Entscheiden tut letztendlich Müller allein, er muß ja auch erstmal den Kopf dafür herhalten. Außerdem werden die Halbwertzeiten eines Dynamo Geschäftsführers auch nicht besser – wir kehren dann wie üblich, die Scherben zusammen und flicken den Verein wieder zusammen.
    Ich nehme es denen, die wirklich abwägen, um Argumente – hauptsächlich für sich selber – ringen, daß man diesen Kompromiß frisst, nicht übel. Schlimm sind die Nachplapperer von Infos aus dritter Hand und diejenigen, die man dazu wiedermal als Retter rekrutiert. Kein Interesse, keine Ahnung, aber einmal im Leben suggeriert jemand, daß man wichtig ist.

    Ich bleib bei meiner Braveheart Einstellung, das hält wengstens das Rückgrat gerade und schont die Rosette, weil man eben weiß, daß man mit dem Rücken zur Wand steht. Da dreht man sich nicht um, wenn der Feind ruft sondern schaut ihm ins Angesicht.

    Wie stands mal so schön auf ner Zaunsfahne bei der Dritten: Charakter schlägt Geld … und mit letzterem kann man einen Charakter versauen, aber eben nicht käuflich erwerben.

  9. 123max
    Oktober 15, 2013 um 11:24 pm

    @Axel: man merkt in fast jeder Zeile dein Misstrauen, allem und jedem gegenüber… damit gewinnst du aber auch nichts, um zu agieren muss man auch vertrauen den Leuten entgegen bringen, die an vorderster Front gestalten sollen/wollen…

    daher finde ich deinen Braveheart Vergleich auch sehr passend – denn das Ende ist bekannt und dir geht es vor allem darum mit dem Kopf durch Wand zu Wand zu kommen, egal welcher Sachverhalt.
    genau aus diesem Grund hat man eine Geschäftsführung: diese soll sich sachlich mit einem Thema befassen. das ist ja auch ein Merkmal bei Vereinen, die erfolgreich sind – im Gegensatz zu Hurra-Geschäftsführern bei Vereinen, die im Fahrstuhl nach ganz unten sitzen.

  10. Axel
    Oktober 16, 2013 um 12:13 pm

    Na zumindest vertraue ich meinem (gesunden) Mißtrauen wenn ich schon höre, daß wir wieder in die DFB Familie – was auch immer das sein soll – integriert werden sollen. Daß man bei Dynamo auch 18 Jahre nach Otto noch nicht gelernt hat, daß man niemandem, vor allem keinem Wessi, in leitender Position bei uns BLIND trauen darf, hat sich das schon rumgesprochen? Hat Herr Müller eigentlich irgendjemandem irgendwas von dem was er erzählt in schriftlicher Form seitens des DFB nachweisen können? Also was das Angebot einer Amnestie, Pillepalle Strafen für Lautern und Osnabrück betrifft? Meines Wissens liegt da noch garnix vor – bisher alles nur Sondierung, wenn nicht sogar (nur) Wunschdenken von Christian Müller.

  11. Ronny
    Oktober 17, 2013 um 8:06 pm

    Hinzuzufügen ist, dass es zukünftig grundsätzlich strafmilderung bei Vergehen geben wird vom dfb wenn betreffende Randalierer mit Hilfe von Verein/Fans ausfindig gemacht werden.. ein interessanter Punkt, denn es gibt bestimmt Fans die mit dem Urteil nicht zufrieden sein werden und dann erst recht Randale machen.

  1. Oktober 11, 2013 um 8:25 pm

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