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Spuckelch-Nominierung für den 1. FC Köln

Vorwort: Der im folgenden beschriebene Artikel wurde im Laufe des 19. Juli von der Seite des 1. FC Köln gelöscht bzw. so umgeschrieben, dass alle dummen Passagen raus sind. So größenwahnsinnig anzunehmen, dass dies eine Reaktion auf die Nominierung darstellt, ist der Spuckelch noch nicht ganz. Gehen wir mal davon aus, dass die Kommunikationsabteilung der SGD erfolgreich interveniert hat. Über den Wortlaut des Artikels verfüge ich nach wie vor, allerdings sehe ich keinen Sinn darin, diesen nochmal zu veröffentlichen. Wenn der FC die Auszeichnung verschmäht, soll er auch nicht die Loorbeeren ernten … 

Hier gehts los:

Die erste Nominierung für den Spuckelch der Saison 2013/14 geht an den 1. FC Köln. Konkret wird dem auf ihrer Homepage veröffentlichten Text „Der erste Gegner“ diese Ehre zuteil. Darin wird vorgegeben, die Fans auf das Spiel am Samstag einzustellen. Trotz der unspektakulär daher kommenden Überschrift, wird in den folgenden Zeilen gleich mit der Tür ins Haus und damit über Dynamo her gefallen. So gelingt es, den unbescholtenen FC-Fans zu erklären, worum es in Dresden eigentlich geht.

 

Dennoch hat es sich die Jury nicht leicht gemacht, dieses Werk zu nominieren, sind dem Autor doch einige gravierende Fehler unterlaufen. Letztlich wurde dafür entschieden, weil die positiven Eindrücke überwiegen. Es wird mit Vorurteilen um sich geworfen, Klischees werden ausreichend eingebaut und letztlich ist auch ein ausreichendes Maß an Halbwahrheiten vorhanden. Bei allem verdienten Lob müssen wir uns auch kritisch mit dem Geschriebenen auseinandersetzen und auf einige schwere inhaltliche und handwerkliche Fehler hinweisen.

Zunächst ist der Text einen Tick zu schludrig zusammengegoogelt. Der Einstieg lässt oberflächlich betrachtet wenig Wünsche offen. Der Leser wird mit einem Klischee, welches ihm in diesem Zusammenhang vertraut ist, abgeholt und sein Interesse dürfte geweckt sein. Doch schaut man etwas genauer hin, fällt eine gewisse Lieblosigkeit gegenüber der Zielgruppe auf, die zu größten Teilen aus FC-Fans bestehen dürfte. Gerade Anhänger des 1. FC Köln kennen „Aussschreitungen“, „Böller“, „Bengalos“ und „brennt es auf den Rängen lichterloh“ nur vom Hörensagen. Leicht könnte ihre Vorstellungskraft überfordert werden. Deshalb hätte es sich an dieser Stelle angeboten, Fotos zu zeigen. Bilder mit der hässliche Fratze der Chaoten sind inflationär auf dem Markt. Nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage dürfte auch für den schmalen Geldbeutel was dabei sein.

Nebenbei bemerkt: Gleiches gilt für die leider zu kurz geratene Passage, in der auf die Strukturen im Verein eingegangen wird. Auch hier dürfte der FC-Fan nicht wissen, worum es geht, wenn von negativer Außendarstellung und kranken Vereinsstrukturen die Rede ist. Etwas mehr in die Tiefe der Chronik des Versagens hätte man da durchaus gehen dürfen.

Nach der inhaltlichen Kritik nun zum Stil. Warum macht sich der Autor den grundsätzlich gelungen Einstieg mit pseudoseriösen Einschüben kaputt? Beginnt er sein Werk so wunderbar und schreibt skrupellos von „wieder einmal“ und „gewohnten Bild“, wird er danach leider schwach. „Vereinzelte Chaoten“ und „größtenteils friedliches Publikum“ schwächen die Wirkung seines Textes. Warum muss das erwähnt werden? Was hat das mit dem Thema zu tun? Und vor allem warum gleich diese Doppelung? Hätte nicht „vereinzelt“ ODER „größtenteils“ ausgereicht? Wenn schon unbedingt ein Anschein von Qualität in den Text rein soll, hätte sich folgende Alternative angeboten: „Der Großteil der meist friedlichen Fans“. Das ist als Nicht-alle-über-einen-Kamm-scheren-Feigenblatt ausreichend und lässt genug Luft nach oben, dass auch im Großteil der Dynamo-Fans ein Schreckenspotential schlummert.

Weitere inhaltliche Fehler: Die Nazikeule wird nicht geschwungen, es findet sich kein Hinweis, ja nichtmal eine Anspielung darauf, dass Gästefans in Dresden um ihre Gesundheit fürchten müssen.Wie wäre es mal mit dem Satz: „Gästefans müssen in Dresden in einen eigenen, vom Rest des Stadions getrennten Sektor – den Gästeblock!“ Das besitzt Allgemeingültigkeit, bekommt aber im richtigen Dynamo-Zusammenhang einen wirklich erschreckenden Drive. Des weiteren vermisst die Jury die ein oder andere uralte Kamelle – etwa die Gräber-Aktion oder das Belgrad-Spiel. Innovativ wäre es zum Beispiel auch gewesen, beiläufig zu erwähnen, dass einige Dynamofans vorbestraft sind. Stimmt mit Sicherheit, ist schnell gemacht und muss nicht recherchiert werden.

… Und … Dem sportlichen Blabla wird bei der Betrachtung des Gegners für das kommende Punktspiel etwas zu viel Raum eingeräumt, welchen Fußballfan interessiert das schon?

Unterm Strich bleibt das Fazit: Dem routiniert zusammmengeschusterten Machwerk fehlt die Innovation und es wirkt phasenweise etwas uninspiriert. Dennoch hat es das Zeug zu einem echten Klassiker. 

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  1. Schapapapa
    Juli 19, 2013 um 9:24 pm

    Och, mich würde schon der Originaltext interessieren. 🙂

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