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60 Jahre SGD. Wir bleiben, wie wir sind

Dynamo Dresden – Ihr seid doch? Genau! Die Bremse der Fußballspaßgesellschaft. Die Ontologie des Proletensports. Die Feldstudie soziologischer Ursachenforschung von Fangewalt. Das Schwarze am Gelben.

Daniela Baack_pixelio

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Gerne präsentiert sich die zum Verein gehörende Stadt als Musterschüler des Ostens. Wirtschaftswachstum, Frauenkirche, Semperoper, Grünes Gewölbe – der Frühling einer blühenden Landschaft. Dagegen hat der selbsternannte Traditionsverein seit Jahren die Sonne nicht gesehen und täuscht vor, solide daran zu arbeiten, dort hinzukommen, wo er nach eigener Einschätzung hingehört. Und wir Fans glauben daran.
Es mag heute paradox klingen, der Erfolg hat mich zu Dynamo geführt. Das Erreichen des Halbfinales im UEFA-Cup 1989 und der spielerische Glanz von Matthias Sammer, Ulf Kirsten, Hans-Uwe Pilz und Ralf Minge verstellten mir den Blick auf eine zukunfstorientierte Lieblingsvereinswahl. Mit glänzenden Augen lauschte ich den Geschichten der Alten. Darin verdrängten der Dresdner Kreisel, Fritsch, Dörner, Heidler, Kotte, Häfner die Kindheitsfiguren Ottokar, Timur und Tokei-ihto aus meinem Heldenkosmos.

Die 1991 gesicherte Qualifikation für die Bundesliga wurde als normal hingenommen und der im Größenwahn vollzogene Niedergang nahm seinen Lauf.
Schon immer begleitete Dynamo die Gewissheit, von den Mächtigen der Fußballschattenwelt betrogen zu werden. In den goldenen Jahren zahlreicher DDR Vizemeisterschaften waren wir Stasi-Mielke ausgesetzt, der die Schiedsrichter die verhassten Dynamos aus Berlin zur Meisterschaft pfeifen ließ. In der Bundesliga mussten wir uns nun nach vierjährigem galliergleichen Kampf gegen die Übermacht aus der Stadt des Römers geschlagen geben. Lizenzentzug, Regionalliga, später sogar 4. Liga – als müssten die Rolling Stones durch Baumärkte tingeln.
Spätestens seit dieser Schmach tragen Dynamofans das D wie ein selbst auferlegtes Stigma mit einer Mischung aus Stolz und Trotz.

Entsprechend ernst nehmen wir uns. Ununterbrochen wird sich bei jedem der es hören muss dafür gerechtfertigt, warum Dynamo ein Traditionsverein und die Nummer 1 im Osten ist, wir auch friedliche Fans haben und im Stadion fast nie Naziparolen zu hören sind.

Unabhängig von der Liga wurde einst eine Stadionruine, heute eine ruinierende Arena gefüllt. Egal was die jeweils verantwortlichen Balltreter unserer Netzhaut antun. Immer getragen von der Illusion auf bessere Zeiten – Dank einer dem Dynamofan in den Genen liegenden Mischung aus rigoroser Tatsachenignoranz und entrückter Traditionsverein-Selbstüberhöhung.

Von Zeit zu Zeit kommen wir in die Nähe unserer Welt. 2004 der Aufstieg in die 2. Liga. Von der Vereinsführung bis zum Mitläufer war es sofort jedem klar: eine Zwischenstation auf dem Weg zum internationalen Geschäft. Schließlich handelte es sich nicht um irgendeinen Zweitliganeuling, sondern um die international renommierte SG Dynamo Dresden, mit der Erfahrung von 98 Europapokalspielen! Eine Zwischenstation war es tatsächlich – nur in die falsche Richtung. Mit dem um fünf Jahre verspäteten sofortigen Wiederaufstieg wurde der Angriff auf Europa fortgesetzt. Der steckt zwar gerade Abstiegssumpf fest, aber diesmal zieht uns der Pacult da raus. Und falls nicht …

Auf ein paar Jahre, einige zwielichtige Gestalten in Geschäftsführung und Präsidium, unmotivierte Söldner, Trainerentlassungen und Existenzbedrohungen mehr oder weniger kommt es nun auch nicht mehr an. Wir haben Geduld und werden es der Welt beweisen: Irgendwann schießt Tradition wieder Tore – auch im Europapokal. Bis dahin feiern wir uns weiter selbst!

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  1. April 11, 2013 um 10:03 pm

    Herzliche Glückwunsche zum Geburtstag, ich drücke fest die Daumen, dass der Klassenerhalt gelingt.

    • spuckelch
      April 12, 2013 um 6:45 am

      Danke! Das Daumen drücken beruht auf Gegenseitigkeit.

  2. dd
    April 12, 2013 um 6:55 am

    den text gab es so ähnlich 2007 schon mal auf spon.

    • spuckelch
      April 12, 2013 um 8:07 am

      Sehr gut! Hätte nicht gedacht, dass sich daran jemand erinnert.

  3. Axel
    April 12, 2013 um 7:40 am

    Eine feine Laudatio – im Fratzenbuch würde ich dir jetzt den like Daumen geben, da ich aber nicht in dieser schwanzvergleichenden Manipulations Community vertreten bin – mußte das Kompliment eben im geschrieben Wort hinnehmen.
    Haste fein gemacht Herr Spuckelch

  4. Dezember 15, 2013 um 7:38 pm

    In Mielkes Zeiten steckten mehr dahinter als die Schiedsrichter…. http://tiny.cc/c9447w

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