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Dynamofans, seid bereit!

Papier ist nicht nur geduldig, sondern aktuell schwer in Mode, um aus dem Stadion ein Archipel der Friedfertigkeit zu machen. Das DFL-Sicherheitspapier war ein erster wichtiger Schritt. Jetzt setzten die Fans der SG Dynamo Dresden ein weiteres Zeichen und verabschiedeten zur Selbstdiziplinierung ein Fancharta für Auswärtsspiele.

Letztere wurde in Frankfurt skeptisch aufgenommen, weil es den Fans gelang, ihrem Verein unnötige Zugeständnisse abzuringen.

Sollte die selbst erarbeitete Charta nicht zu einer drastischen Verbesserung der Dynamo-Fan-Disziplin führen, liegt beim DFB eine weitaus konsequentere Fassung in der Schublade. Dann wird es heißen: Unterschreiben oder Punktabzug.

Um den als besonders störrisch geltenden Ostler entgegen zu kommen, wurde das Papier auf Grundlage eines ihm vertrauten Regelwerkes erarbeitet. Zunächst soll es an Dynamo Dresden getestet und gegebenenfalls auf alle Fanszenen individuell umgeschrieben werden.

Spuckelch wurde das Manuskript zugespielt:

Wir Thälmannpioniere Dynamofans
lieben unseren sozialistisches Vaterland, die Deutsche Demokratische Republik Verein, die SG Dynamo Dresden.
In Wort und Tat ergreifen wir immer und überall Partei für unseren Arbeiter-und-Bauern-Staat Sportgemeinschaft, der die ein fester Bestandteil der sozialistischen Staatengemeinschaft kommerziellen Fußballgemeinschaft ist.

Wir Thälmannpioniere Fußballfans
tragen mit Stolz unser rotes schwarz gelbes Halstuch und halten es in Ehren.
Unser rotes schwarz gelbes Halstuch ist Teil der Fahne der Arbeiterklasse Ligagemeinschaft. Für uns Thälmannpioniere Dynamofans ist es eine große Ehre, das rote schwarz gelbe Halstuch als äußeres Zeichen unserer engen Verbundenheit zur Sache der Arbeiterklasse Ligagemeinschaft und ihrer Partei , der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands Geschäftsführung, zu tragen.

Wir Thälmannpioniere Dynamofans
lieben und achten unsere Eltern Polizei.
Wir wissen, daß wir unserer Eltern Polizei viel verdanken. Wir befolgen ihren Rat und helfen ihnen immer. Wir wollen bewußte Gestalter Bewahrer der sozialistischen Gesellschaft werden.

Wir Thälmannpioniere Dynamofans
lieben und schützen den Frieden im Stadion und hassen die Kriegstreiber so genannten Fans
Durch fleißiges Lernen Bezahlen und durch gutes Taten Anfeuern stärken wir den Sozialismus Eventfußball und helfen den Friedenskräften wahren Fans der ganzen Welt.
Wir treten immer und überall gegen die Hetze und die Lügen der Imperialisten so genannten Fans auf.

Wir Thälmannpioniere Dynamofans
sind Freunde der Sowjetunion des DFB und aller sozialistischen Brudervölker Fußballverbände und halten Freundschaft mit allen Kindern Fans der Welt.
Die Freundschaft zurm Sowjetunion DFB ist uns Herzenssache. Die Leninpioniere Die friedlichen Fans sind unsere besten Freunde. Wir arbeiten eng mit den Pionieren Fans der sozialistischen Länder Traditionsvereine und allen fortschrittlichen Kinderorganisationen Retortenvereinen in der Welt zusammen. Wir üben aktive Solidarität mit allen um ihre Freiheit und nationale Unabhängigkeit kämpfenden Völkern. Pyrotechnikfreiheit und friedliche Stadionerlebnisse kämpfenden Fans.

Wir Thälmannpioniere Dynamofans
lernen fleißig, sind ordentlich und diszipliniert.
Wir eignen uns gründliche Kenntnisse und Fertigkeiten an und treten überall für Ordnung, Disziplin und Sauberkeit ein.
Wir sorgen dafür, daß jeder ehrlich lernt, sein Wissen anwendet und bei ihm Wort und Tat übereinstimmen. So bereiten wir uns auf das Leben und die Arbeit in der sozialistischen Gesellschaft friedlichen Kurve vor.

Wir Thälmannpioniere Dynamofans
lieben die Arbeit, achten jeden Arbeit Kommerz und alle arbeitenden geldvermehrenden Menschen.
Wir lernen von den Arbeitern Werbern, Genossenschaftsbauern Marketingfachleuten und den anderen Werktätigen Betriebswirtschaftlern und packen schon heute bei jeder Arbeit Werbemaßnahme mit zu, wo immer es auf unsere Hilfe ankommt.
Wir schützen das Volkseigentum.

Wir Thälmannpioniere Dynamofans
lieben die Wahrheit, sind zuverlässig und einander der Medien freund.
Wir streben immer danach, die öffentliche Wahrheit anzuerkennen, und treten für den Sozialismus die Ligagemeinschaft ein. Wir erfüllen die von uns übernommenen Aufgaben als quoten- und auflagensteigerndes Element und stehen zu,  unserem PionierFanwort, Wir sorgen dafür, daß unsere Gruppe eine feste schuldige Gemeinschaft wird bleibt, und helfen büßen kameradschaftlich für die Taten jedes anderen Schüler Fans.

Wir Thälmannpioniere Dynamofans
machen uns mit der Technik vertraut, erforschen die Naturgesetze des Fußballgeschäftes und lernen die geben unsere Schätze der Kultur kennen dem Verein.
Wir interessieren uns für das Neue in Wissenschaft und Technik auf dem Fanartikelmarkt. Wir nehmen am naturwissenschaftlich-technischen Schaffen teil, betätigen uns künstlerisch, fördern die Talente und beweisen unser Können.alle Anstoßzeiten hin, nicken Preiserhöhungen ab und fördern die Werbeeinnahmen durch den Verzicht auf Zaunfahnen.

Wir Thälmannpioniere Dynamofans
halten unseren Körper sauber und gesund, treiben regelmäßig Sport und sind fröhlich.
Wir stählen unseren Körper bei Sport, Spiel und Touristik Auswärtsfahrten. Wir interessieren uns für die Schönheiten unseres Heimat Fanshops und wandern zahlen gern. Wir rauchen nicht und trinken keinen Alkohol.

Wir Thälmannpioniere Dynamofans
bereiten uns darauf vor, gute Mitglieder der Freien Deutschen Jugend Ligagemeinschaft zu werden.
Wir interessieren uns für die Geschichte des sozialistischen Jugendverbandes wahren Fans und die Taten der FDJ-Mitglieder DFL-Mitglieder. Ihre hervorragenden Leistungen sind uns Vorbild und Ansporn. Wir verwirklichen mit ihnen gemeinsame Vorhaben.

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  1. Stephan Fleischer
    März 14, 2013 um 12:24 pm

    Köstlich!! Wie immer super geschrieben vom Spuckelch.

  2. Axel
    März 15, 2013 um 8:34 am

    Immer Bereit Herr Alces alces sputum !

    Danke für dieses wunderbare Gleichnis. 9 Punkte Dynamos – 10 Gebote Gottes – 11 Gelöbniszeilen der Jungpioniere. 9 Punkte aus 3 Spielen unter Pacult wäre genauso das Optimum wie die Einhaltung der 10 Gebote durch jeden gläubigen Christ oder oh Grauß, gar meine damals schon vakante Akzeptanz jeder der 11 Gelöbniszeilen.
    Das fing ja schon mit der Liebe zur Sowjetunion an.
    Wie sollte ich Pimpf etwas lieben, über was mein Vater als Moskwitschfahrer lauthals schimpfte. Verdammte Russentechnik.
    Oder der Stolz auf das blaue Halstuch, dieses kratzende Dederon-Etwas, was ich damals schon so hasste wie heute die Schlipse und die beide auf ewig die kürzesten Halbwertzeiten in meinem Klamottenschrank hatten.
    Wir lieben den Frieden – pah – wenns was zu stänkern gab, dann muß man solche Einladungen auch nutzen.
    Wir treiben Sport – na das ist ja mal ein vernünftiger Kompromiss – aber bei der Fortführung der Zeile mit „halten unseren Körper sauber und gesund“ hörts doch schon wieder auf. Ich hätte mir doch im Leben nicht als 7 Jähriger mein Weißbrot, meinen Hackepeter, meine Limonade und all das ungesunde Zeugs nehmen lassen. Und um jedes Zähneputzen oder ne extra Säuberung wurde gefeilscht bis aufs Messer.

    Wir singen, tanzen, spielen und basteln gern. Na das ist doch mal ne gescheite Ansage. Das ist Flexibilität. Da wäre heutzutage von den Moorsoldaten bis zur „Stunde des Siegers“ alles möglich. Uups – nicht alles, denn das Liedchen wurde samt seiner Band vor knapp 3 Jahren aus dem Stadion verbannt. Und zur Sicherheit ihre Absenker – also die Freien und Wilden – gleichmal mit. Das ging damals alles den (Enrico) Bach hinunter. Und das Kuriose – das wurde nun nicht mit schriftlich in ein Gebot gepackt. Das wurde konspirativ angesagt. So wie dazumal zu meinen Pionierzeiten ein nie niedergeschriebenes Verbot von Bravo und Metal Hammer, Poprocky und Asterix. Und trotzdem hatte ich es.

    Wie Du siehst, egal ob aufgeschrieben oder nicht. Man hält sich dran oder auch nicht. Wie auch bei der seit 4 Jahren existierenden Fancharta für Zuhause.

    Dort steht z.B. drin:

    „Beim Verkauf von Werbeflächen wird darauf geachtet, dass ausreichend Raum für Zaunfahnen vorhanden bleibt. Eine einvernehmliche Lösung zwischen Vereins- und Fanvertretern wird angestrebt.“

    Nur was nützt es, wenn Fanvertreter und Vereinsverantwortliche dies so akzeptieren, Sportfive aber sein Ding macht, wie es ihm gefällt. Schließlich waren sie damals noch garnicht zugange, als das Papier noch unter Maas den Toner vor der Fixierwalze erblickte.

    „Auf akustische Werbebotschaften während des Spieles wird weitestgehend verzichtet.“

    Gut, die Reha Nord nach jedem Foul fällt dann sicher unter Wohlfahrtspflege, alternativ ist das „während“ auch so auszulegen, daß die Einblendung ja mit einer Spielunterbrechung einhergeht, weil das ja ein Foul war.

    „Die Lautstärken der Stadionansagen, Werbung und Musikeinspielungen sind so zu wählen, dass die Stimmung im Stadion nicht unterdrückt wird.“

    Jetzt weiß ich endlich, warum das Fanlied der FG 25 Minuten vorm Spiel, also als es noch wirklich eines war, immer so heruntergeregelt wurde.

    Also… Papier ist geduldig und Freundschaftspionierleiter Niersbach sollte damit ruhiggestellt sein und mehr war nicht bezweckt… Einen Anton Nachreiner wird selbst eine Doktorarbeit zu Gelöbnissen und Geboten, samt blankgezogenem Hintern von Dynamofunktionären am eigenen Arsch vorbeigehen – klar, zum Blankziehen würde er ja auch so verkehrt stehen.
    Da kann unser Gruppenleiter Müller auch gleich die gebückte Haltung auslassen und den Gürtel fester zurren. Denn egal was passiert, Kriminelle halten sich nicht an irgendwelche Papierchen – die A-Karte haben in jedem falle wir, deshalb muß es nach 2 deutlichen Erfahrungen mit der DFB Tribunalität bis zum bitteren Ende durchgezogen werden. Und wenn jetzt von unserem tapferen Ritterchen oder Müllerchen ein „ja das geloben wir“ kommen würde, dann wäre die Welt für mich wieder heile…

    • spuckelch
      März 15, 2013 um 10:39 am

      Gerade für solche Papiere gibt es diese Worte: ausreichend, weitestgehend. Dehn- und auslegbar bis zur Unkenntlichkeit.
      Wobei, die Reha Nord Werbung einen derartig provinziell fehl am Platz seienden Charme hat, dass ich beim ersten Mal Hören dachte, es handelt sich um einen Witz. Weitere Vorschläge für übers knie gebrochene zielgruppennahe Werbepausen sollten eigentlich mal eine Glosse Wert sein.

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