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Fußball-Nachhilfe für Radsport

Nach der so unfassbaren wie unglaublichen Dopingbeichte von Lance Armstrong ist die Radsportwelt einmal mehr in ihren Grundfesten erschüttert. Doch was, wenn gerade dieses Beben das eine Mal zu viel war und die Funktionäre des Millionengeschäfts Radfahren tatsächlich an eine Aufarbeitung denken?

Die Angst vor einem Aufklärungsflächenbrand, der sich auf andere Sportarten ausbreitet ist groß. Schnell werden die Reihen geschlossen: internationale und nationale Fußballverbände bieten dem Radsport umfassende Hilfe an. Der Internationale Radsportverband werde unter die Verwaltung des Erfolgsmodells Fußballs gestellt, hieß es aus hochrangigen FIFA-Kreisen. Nachbarschaftshilfe bietet sich nicht zuletzt wegen der geografischen Nähe an – UCI wie FIFA haben ihren Hauptsitz in der stets neutralen Schweiz.

Und die Zeit drängt. Ersten Radsportfunktionäre stellen bereits ihre Kompetenzen im Mauscheln und Vertuschen in Frage. Es gelte deshalb zunächst einer nachhaltigen Entfilzung vorzubeugen, ist aus Zürich zu hören. Auf einem global agierenden Sportmarkt ist der Funktionär andernfalls nicht wettbewerbsfähig. Medien, nationale Verbandshandlanger und die Wirtschaft müssen eine Einheit bilden. Nur in einer derartigen Atmosphäre gegenseitien Händewaschens lassen sich Krisen notfalls auch mal aussitzen. Die Herren Blatter und Platini signalisierten bereits ihre Bereitschaft, verunsicherten Rad-Korrumpierten einen Flügel in ihren Villen als Unterschlupf zur Verfügung zu stellen. Hospitationen im Alltagsgeschäft von FIFA und UEFA soll ihnen eine rasche Wiedereingliederung ermöglichen.

Auch auf nationaler Ebene sind enge Kooperationen geplant.

Vor allem in Deutschland könne der Radsport viel vom Fußball lernen. „Wir Radler haben da zweifellos einen gewissen Nachholbedarf,  wie sich Affären und unkommerzielle Fanerwartungen im Keim ersticken lassen“, äußerte sich ein hoher Funktionär, bevor er sich wieder Schredder und Dopinglisten zuwendet.

„Ignoranz ist ein bewährtes Mittel aber nicht immer zielführend“, bremst ein hochrangiges Ligaverbandsmitglied die Euphorie. Die hohe Kunst sei es, negative Randerscheinungen in der Besucherstruktur zu einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit aufzubauschen. Das darf auch im Radsport kein Tabu sein. Mit der Eröffnung derartiger Nebenkriegschauplätze lässt sich bei der unkritischen Masse leicht das Bild eines entschlossen gegen Missstände handelnden Verbandes vermitteln. Eine vom Rechtsstaat entkoppelten Verbandsgerichtsbarkeit hilft, effektiv die selbstkonstruierte Realität zu legitimiert und Macht zu zementiert. Erste Angebote von Intensivkursen wurden bereits erstellt, in denen Radsportfunkionäre Grundkenntnisse vermittelt werden, wie sich althergebrachte und lange tolerierte Riten kriminalisieren und mit aller Härte verfolgen lassen. Im Fußball sei dies beim Abbrennen von Pyrotechnik, Platzstürmen und zuletzt immer stärker dem Werfen von Kassenrollen und Papierschlangen mit großem Erfolg gelungen. „Die gesellschaftliche Debatte konzentriert sich ganz und gar auf diese von uns unterbreiteten Skandalangebote“ freut sich die Verbandsspitze. Gerade bei Straßenrennen birgt das Verhalten der Radfans viel Potential, um ein Gefährdungspotential nachzuweisen.

Darüber hinaus lässt sich Sportberichterstattung durch die Versorgung von Journalisten mit Posten, VIP-Häppchen oder exklusiven Randgeschichten auf ein Minimum an Relevanz reduzieren.

Dank dieser ineinandergreifenden Strategien lassen sich mittelfristig ganze Fanpopulationen durch Konsumenten ersetzen.

„Auch im Radsport darf der Kommerz nicht durch den Sport in Mitleidenschaft gezogen werden“, fordern die Organisatoren des Hilfspakets.

Wie beim Fußball müssten sämtliche Wettbewerbe nur der eigenen Gewinnmaximierung verpflichtet sein. Das in der Mitte der Gesellschaft zu verankern, dieser Verantwortung dürfen sich die Radsportfunktionäre nicht auf halben Weg entziehen. Denn nach getaner Arbeit wird der Konsument jede Perversion als Fortschritt hinnehmen und sie ganz selbstständig gegen den Rest der störenden Traditionsromantiker verteidigen.

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