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Demokratie gerettet!

Das Gute hat gesiegt. Deutschland wird von Mecklenburg Vorpommern regiert und endlich zieht der richtige Kandidat in den Bundespräsidentenpalast ein. Vom „Bundespräsident der Herzen“ (Christine Lieberknecht) zum Inhaber eines Amts, das erstmal gründlich durchgefegt werden muss.  Und auf ihn wartet viel Arbeit. Das machten die Volksvertreter schon vor seiner Wahl klar. Denn Gauck wird als eine Art Unterhändler gesehen, der dem Volk mal erklärt, was Demokratie so bedeutet, was „die da oben“ so meinen, wenn sie über „die Wählerinnen und Wähler“ reden. Er soll Regierende und Regierte wieder näher zusammenbringen, der Demokratie mehr Glanz verleihen (Claudia Roth) oder sie gar erneuern (Andrea Nahles).

Was für eine Bankrotterklärung: „Volksnähe? Sollen das mal der Andere machen“.

An Scheinheiligkeit nur schwer zu übertreffen, vergleichbar mit dem Placebo-Kampf gegen den Rechtsextremismus in der Provinz. Aus den Parteizentralen in den Metropolen der Republik wird mit aller Entschiedenheit gefordert, den braunen Rattenfängern im Sportverein, in der Kirchgemeinde oder dem Volksfest keine Handbreit zu lassen und sie zu verbieten. Aufrechte Vereine und mitgliedsarme Ortsverbände die vor Ort im Kampf gegen die Nazis auf verlorenem Posten stehen und die Demokratie verteidigen, dürfen im Wahlkampf oder nach der Entdeckung brauner Terroreinzeller zum Händeschütteln und Schulterklopfen antreten.

Nun soll im größeren Stil Gauck Demokratieretter ran.  Jene, die dieser Hoffnung fröhnen, haben es wohl bereits aufgegeben, selber etwas – außer Händeschütteln und Schulterklopfen – zur Stärkung des Demokratiebewusstseins beitragen zu können. Schon die Auswahl des Bundespräsidenten war zutiefst undemokratisch. Am Volk vorbei, wurde im Hinterzimmer paktiert, gebockt, der Kandidat der Herzen durchgeboxt. SPD und Grünen war es eine Herzensangelegenheit, Merkels CDU so vorzuführen und die FDP ließ sich in gewohnt polemischer Art vor den Karren spannen. Machtpoltik par excellence – natürlich zum Wohl des Volkes. Gauck wird es nicht schaden. Bundespräsidenten sind in der Volksmeinung qua Amt sympathisch. Und er ist schon auf den ersten Blick als netter Onkel identifizierbar, hat ne ordentliche Widerstandskämpfer-Biografie und war bei seiner Präsentation auch noch aufgeregt und ungewaschen – es menschelte.
Am Abend durften dann bei Jauchs schnell umdisponierter Talkrunde alte und ehemals bedeutende Menschen ihre Demontage vorantreiben. Heiner Geißler und Hildgard Hamm-Brücher sollten der Sendung den Anschein von Weisheit geben. Der Helmut Schmidt Effekt blieb in dieser Runde aus. Stattdessen durften die Geronto-Politiker wirr plappernd in Erinnerungen schwelgen, wussten in der Mitte des Satzes  nicht mehr, womit sie begonnen hatten und womit sie enden wollte. Das war aber nicht schlimm, es reicht, den Anschein zu wahren. Genau wie es die Aufgabe des Bundespräsidenten ist, den Anschein politischer Bedeutung zu wahren und in Grundsatzreden dem Volk vorzugauckeln, ernst genommen zu werden.

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