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Das ist ein Liebesbrief

Liebste,

in diesem Jahr feierten wir unsere Bronze-Hochzeit. Es war ein rauschendes, extatisches Fest!

Als ich dich kennenlernte, hattest Du deine Unschuld bereits verloren. Aber ich verliebte mich sofort in diese MILF! Du wandeltest wie selbstverständlich auf europäischen Bühnen, warst weltgewandt und meisterhaft! Bewundernd schaute ich zu Dir auf! Kaum waren die wildesten Schmetterlinge im Bauch verflogen, gab es die erste Krise. Du lerntest eine neue Welt kennen, der goldene Westen lockte! Über Nacht wolltest Du eine Andere sein. Dein bisheriges Leben war nicht mehr fein genug. Sogar deinen Namen ändertest Du in 1. FC .  Damals warfst du dich Kerlen an den Hals, die deiner nicht würdig waren. Selbstherrliche, windige, feiste Businesskasper, die sich mit dir schmückten, ohne dich zu lieben. Sie verhökerten Deine Juwelen und versuchten Dich mit billigen Glasperlen aus dem Westen zu blenden. Sie nutzen dich aus, zogen dir das Geld aus der Tasche.  Du schlugst alle Warnungen in den Wind, lebtest im Vertrauen auf deine Schönheit nur noch auf Pump.

Trotzdem konntest du oft genug den aufgetakelten Bundesliga-Tussis die Show stehlen. Sehr zum Ärger ihrer Zuhälter in Frankfurt. Dankbar nahmen sie deinen lockeren, haltlosen Lebenswandel als Vorwand, dich mit einem Tritt aus der Beletage in die Gosse zu befördern. Ich kam mit. Auch wenn von deinem Glanz und deiner Schönheit kaum noch was zu sehen war. Deine Villa verkam längst zu einer Absteige und du musstest dich von nun an mit Dorfschönheiten messen. Ich war bei dir, versuchte dir Mut zu machen, wahrscheinlich vor allem, damit ich nicht den Mut verlor. Denn wir lebten uns immermehr auseinander, hatten uns nichts mehr zu sagen. Wenn du mich im gelben Jogginganzug, statt dem kleinen Schwarzen empfingst, wünschte ich mir, Dich nie kennengelernt zu haben. Immer wieder hattest Du Affären mit halbseitenen Rettern und von den  Schlägertypen kamst du auch nicht los. Sie durften sich vor deinen Augen, wie die Tiere aufführen, du zucktest nur mit den Schultern.  Der 1. September 2001 brachte das Fass zum Überlaufen. Ich trennte mich von Dir. Vor dem Spiel ließ ich dich einfach stehen und ging.

Um dich zu vergessen stürzte ich mich in leidenschaftslose Affären mit ein paar Bundesliga-Schicksen. Keine war wie du. Du gingst mir nie aus den Kopf. Wenn ich glaubte, du merkst es nicht, schielte ich dir nach. Stundenlang schaute ich mir alte Fotos von Dir an. Mit den Kumpels saßen wir mit roten Augen beim Bier und schwärmten davon, wie sexy du einst warst.

Schließlich machtest Du den ersten Schritt auf mich zu. 2003 begannst Du wieder, was aus Dir zu machen. Wie aus einem langen Drogentripp wachtest Du auf und erinnertest dich daran, wer du einst warst! Die stolze und schöne Diva – gehasst und vergöttert. Es war wieder da; Dein alles verzehrendes Feuer. 2006 kamst Du wieder ins Straucheln, alles sah nach einem Rückfall aus.  Du bliebst trocken! Wir redeten miteinander, hatten tolle gemeinsame Wochenenden. Unter dubiosen Umständen bautest du dir sogar ein Schloss an die Stelle deiner verfallenen Villa. Aber ich wollte es gar nicht so genau wissen, wie du dazu gekommen bist. Wichtig ist mir, dass wir wieder an den kleinen Dingen des Lebens gemeinsam Freude haben. Auch deinen neuen starken Männer, Volker und Steffen sind offenbar ganz in Ordnung. Leider hast du es immernoch nicht geschafft, die letzten Schlägertypen rauszuschmeißen. Trotzdem erlebten wir die Rückkehr der Schmetterlinge im Bauch. 2011 zogst Du das kleine Schwarze wieder an, sahst umwerfend aus und brachtest mich mit deiner alten Leidenschaft zu Höhepunkten, von denen ich seit Jahren nichtmal gewagt habe zu träumen. Wir liegen uns wieder in den Armen. Ich denke Tag und Nacht an Dich.

Ich liebe Dich, Dynamo!

PS: Sicher hast du es schon gemerkt: Die Frankfurter Luden schauen schon wieder argwöhnisch zu dir. Du bist wieder wer!

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  1. Eme
    Januar 13, 2012 um 8:59 pm

    „Um dich zu vergessen stürzte ich mich in leidenschaftslose Affären mit ein paar Bundesliga-Schicksen.“

    Schäm Dich! (-;

  2. Januar 15, 2012 um 12:57 pm

    Heh, du schreibst hier von meiner Liebsten! (aber wunderschön!)

  3. Januar 20, 2012 um 9:43 am

    Eme, du musst schon alles lesen. Er verirrte sich zu ein paar Bundesliga-Schicksen, aber: „Keine war wie du.“ 🙂

    manchmal muss man eben erst in die ferne schweifen um zu wissen, dass das gute so nahe ist…

  4. Eme
    Januar 21, 2012 um 12:08 am

    Ich habe das schon richtig gelesen. (-:
    Aber mussten es gleich mehrere Affären sein? Und vor allem: wie hat SIE sich dabei gefühlt?
    Fragen über Fragen.

  5. srmurphy
    Februar 10, 2012 um 3:53 pm

    Bist Du wirklich vor dem Derby am 1.9. gegangen?

    • spuckelch
      Februar 11, 2012 um 9:45 am

      Ja, bin ich.

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