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Das Welterbe ist tot, es lebe die Brücke!

s ist geschafft! Dresden wird sich von der Willkür einer erpresserischen, gänzlich undemokratischen Weltmacht befreien! Der UNESCO wird ihr Welterbetitel nach fünf Jahren wieder vor die Füße geschmissen. Sollen sich doch andere mit dem Stück Papier, von dem man sich nichts kaufen kann, rumärgern.
Damit stehen Elbflorenz mit Stolz an die Seite von Qabus ibn Said al-Said, seines Zeichens Sultan des Oman, Alleinherrscher des bisher einzigen Landes, das von der von der Welterbeliste gestrichen wurde. Dort wurde ein Naturschutzgebiet um 90 % verkleinert, um Erdöl und Gas zu fördern. Verständlich – schließlich fahren Autos mit Benzin und nicht mit seltenen Antilopen- und Vogelarten.
Dank der so schnell zurück gewonnenen Souveränität über Beton und Stein kann jetzt weiter gebaut werden. Zunächst die Brücke und sicher finden sich bald andere Projekte, die es an die Hänge und auf die Wiesen an der Elbe zu verwirklichen gilt. Denn das ehemals geschützte Elbtal ist lang und die Wiesen breit. Genug Platz für einige Baukastenhäuser und Parkplätze! Die Brücke löst zwar das Stauproblem in der gesamten Stadt; Alle können ungehindert von Arbeit nach Hause und von zu Hause auf Arbeit, in den Supermarkt, die Kneipe und zum Shoppen, Kino flitzen. Doch auch der Dresdner kann nicht immer nur fahren. Auch er braucht Orte, wo er seinen geliebten Boliden abstellen kann. Von denen gibt es noch viel zu wenige. Was läge da näher als etwas des nutzlosen Grüns der Elbwiesen abzuzwacken. Beton drauf und eine weiterer Quantensprung für eine autofreundliche Stadt wäre gemeistert.
Durchgesetzt haben wir uns gegen die ewig gestrigen Fortschrittsverhinderer und Bio-Öko-Linken, die sich beharrlich bemühten die Brücke zu verhindern, an einer Stelle, von der Max Goldt (schwul! und sicher auch ein Linker) schrieb, dass es der wohl schönste Spazierweg Deutschland sei. Aber wer will denn spazieren gehen! Wenn man künftig für einen Blick auf die Altstadt nicht mal mehr aus dem Autos Steigen muss.  Etwas erhöht und unbelästigt von all dem krabbelnden Getier. Allein für die wachsende Zahl Allergiker ein Segen. Denen blieb der Dresdner Kulturblick ja bisher hinter verquollenen Augen verborgen. Die Brücke als gesundheitsbewusster Touristenmagnet!
Und obwohl die meisten Volksentscheid-Ja-Sager  die Brücke nie nutzen werden und die Elbwiesen nur als Baufundament kennen, wussten sie, was richtig ist! Nicht so jene ewig Gestrigen. Sie erdreisteten sich, Verwirrung in den Reihen der Brückenbauer zu stiften und einen Tunnel als Kompromiss vorzuschlagen. Einen Tunnel! So teuer und niemand würde sehen, wo das ganze Geld steckt. Millionen können doch nicht einfach vergraben werden.
Das wahre Potential wurde am schnellsten von den Vorzeigedemokaten der kommunalen FDP erkannt. Neue Touristenattraktionen ließen sich schaffen! Wirtschaftsbürgermeister und Oberbürgermeisterkandidat a. D., Dirk Hilbert, ist von dem monumentalen Bauwerk so überzeugt, dass er  ein Elbebad unter den Bögen der Brücke als Nummer eins Attraktion der Stadt herbeivisioniert. Planschen zwischen den Brücken, umhüllt von Abgasen – Urlaub im Feinstaub. Das ist wahrer liberaler Fortschrittsglaube.
Nach wie vor klammert sich eine handvoll linker Ökos an das Welterbepapier und phantasiert von Verantwortung gegenüber dem Rest der Welt. Welchem Rest der Welt? Dresden ist doch der Mittelpunkt. Jeder Geld abgebende Tourist ist auch künftig willkommen. Das Geld für die Frauenkirche haben wir gerne von Nichtdresdnern genommen. Aber bitte nur das Geld! Kritik, wie wir unsere Stadt gestalten um den Titel zu verlieren, ist nicht gefragt.
Und wenn es dieser Verein demnächst ablehnt Titel an die Kulturnation Deutschland zu geben, dann ist dies ein weiterer Beweis für dessen Willkür. Wie kann die sich die UNSCO überhaupt erdreisten, der Mutter aller Kultur zu erklären, wie sie mit ihrem Kind umzugehen hat?
Die sollen sich lieber um die Dritte Welt kümmern. Die Neger zerbomben am laufenden Krieg das bisschen Kultur was sie haben. Da sei uns der kleine Luxus gegönnt, ein paar Meter Wiese zu zerbauen, um einige Minuten weniger im Auto zu sitzen. In Autos, die immerhin einen höheren Wohnkomfort haben als die Hütten dieser kriegsgeilen Hungerleider!
Gegen die Abholzung des Regenwaldes, skrupellose Wal fangende Norweger, aussterbende Koalas und gemeuchelte Robbenbabys reihen wir uns natürlich gern in jede Unterschriftenliste ein.  Aber was sind schon Fledermäuse und Käfer vor der Haustür, solange sie mit den Zauberworten „Mehr Arbeit für alle“ und „schneller Autofahren“ in Verbindung zubetoniert werden können.
Und wann wird Dresden endlich für seinen späten Mut gewürdigt, über den eigenen Schatten gesprungen zu sein? Seit der Wende wurde uns immer wieder vorgeworfen, wir würden alles blockieren, was angeblich nicht ins Stadtbild passt. Aber was nicht ins Stadtbild passt, entscheiden immer noch wir! Die Brücke tut es. Schließlich fahren Autos drüber.

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  1. Frank
    Juli 9, 2011 um 7:05 pm

    Tja, da hast Du ja nun ganz schön Dampf abgelassen. Und – was nun? Leider ist der Text – wie häufig, wenn es um WSB-Kritik geht nicht ganz korrekt. Das geht schon los mit der Bahauptung Der UNESCO wird ihr Welterbetitel nach fünf Jahren wieder vor die Füße geschmissen. Das war schon etwas anders – vor die Füße geschmissen wurde da nichts. Und Schuld an dem später verlorenen Weltkulturerbetitel waren leider ausgerechnet diejenigen unter den Brückengegnern, die dachten, mit einem Erpressungsversuch das Ergebnis eines rechtsgültigen Bürgerentscheides noch aushebeln zu wollen.

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