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Sarrazin macht Dresdnern Mut

Der Thilo kämpfte nun auch in Dresden für den Erhalt Deutschlands. Die Ortswahl an sich überraschte mich bereits. Vom Hocker haute mich, dass die Dresdner einen deutschlandweiten Sarrazinlesungsbesucherrekord aufstellten. Obwohl sie von den zentrale angeprangerten Missständen soviel Ahnung haben dürften, wie der Blinde von der Farbe.
Sarrazins medialer Thesenanschlag und die pflichterfüllte “Daswirdmajanochsagendürfen”-Hysterie gingen weitgehend, an mir vorbei. Weder aktiv noch passiv nahm ich daran teil. Das Thema überstieg meine Kompetenzen in Genetik und Sozialpolitik (Ausrede! Mangelndes Fachwissen hinderte bisher keinen Journalisten daran, sein aufdringliches Urteil zu verbreiten). Nein, es war schlichtes Desinteresse. Also ehrlich! Das Thema böser Migrant ist rund um Berlin eine Totgeburt. Für die Ostländer ist der Ausländer in der Opferrolle vorgesehen.
Mit einigem Engagement könnte man jeden in Dresden lebenden Ausländer persönlich kennenlernen. Beim Kauf von Döner, Pizza, Obst und Kitsch. Die dazu gehörigen Türken, Italiener, Vietnamesen machen einen recht integrationswilligen Eindruck, gemessen an deutscher Sprachfertigkeit, Freundlichkeit, Arbeitswut und kaum erkennbarer religiöser Bekenntnisse.
Hier sind es die Deutschen von nebenan, die sozial abgehängt und ungebildet zu viele Kinder bekommen, die Schule schwänzen und auf der Straße für kriminellen Druck sorgen.
Kurz: Die Gefahr, in wenigen Jahren arabisch statt sächsisch zu hören, durch den Ruf des Muezzins statt der Radiowerbung für Spielcasinos (Yes we game) geweckt zu werden oder verschleierte statt farbenfroh gesträhnte Frauen zu sehen, ist in Dresden als äußerst gering – wenn teilweise auch wünschenswert – einzustufen.
Dennoch stellte meine Stadt den Besucherrekord bei Sarrazin auf. Immer wieder wurden seine mahnenden Worte von Jubelrufen und Applaus unterbrochen. Die erste Vermutung, dass seine bisherigen Tourstationen in der Provinz lagen, ist falsch: In München und Berlin las er vor kleinerer Kulisse. Ist die Abschaffung dort schon so weit gediehen, dass sich nichtmal 2250 Kulturdeutsche fanden, um Sarrazin zu lauschen?
Ein kompetenter medialer Reflex wäre auch, die sehr … konservative politische Orientierung der Dresdner. Alles falsch! Es kann nur einen Grund geben: Die Begeisterung – und zwar pur – über den Lauf der Geschichte. Der Sarrazinbesuch war Informationsabend, Mutmacher, Licht am Ende des Tunnels in einem. Alle wollten es nochmal mit eigenen Ohren hören, sich vorrechnen lassen, wie lange es noch dauert, bis Westdeutschland sich selbst abgeschafft hat. So erklären sich Jubel und Applaus in der Halle. Zwei, drei Generationen noch, dann haben wir den Westen doch überlebt.

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  1. Januar 6, 2012 um 9:02 am

    hi, ich bin über den dynamo-beitrag auf deinen blog gekommen und wollte nur mal eben sagen, daß mir deine metaphern und deine art, dich auszudrücken, sehr gut gefällt!

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