Die zwei Leben eines Dynamofans gegen Leipzig

August 22, 2016 1 Kommentar

So ein Scheißspiel. Seit Wochen freu ich mich darauf, dass meine Dynamos endlich mal den synthetischen Rasenballern aus der falschen Stadt ordentlich eine verpassen und zeigen, was es heißt mit Leidenschaft für den traditionsreichsten Verein der Dynamowelt zu spielen, und dann sowas. Hier geht heute gar nichts. Die Leipziger lassen keinen Zweifel aufkommen, wer hier Herr im Haus ist. Abgezockt kontrollieren sie das Spiel und lassen sich trotz ihrer Jugend von der Kulisse in keinster Weise beeindrucken oder aus der Ruhe bringen. Wie kann denn sowas sein? Fehlt denen jeder Respekt? So war das nicht geplant!

Dynamos Goldfüße bekommen nichts auf die Reihe. Dieser Aosman stürzt planlos durch die Gegend, Stefaniak scheint den Verantwortlichen von RB Leipzig beweisen zu wollen, dass es die richtige Entscheidung war, ihn nicht zu verpflichten. Da geht gar nichts. Nach vorne nur lange Bälle. Die allerspätestens mit dem 2. Anlauf von der souveränen Leipziger Defensive einkassiert werden. Jetzt hängt euch doch mal richtig rein. Ich brüll mir hier die Stimme kaputt und ihr da unten bekommt nicht mal eine ordentliche Anfangsoffensive hin, von der in der Zusammenfassung der Kommentator sagen kann: „Beim Duell David gegen Goliath tritt der Außenseiter frech auf. Ein Klassenunterschied ist nicht zu erkennen.“ Keine Spur von einem frechen Außenseiter. Wissen die überhaupt, um was es heute geht? Aber weiß ich denn, worum es heute geht? Die Rot-Weißen da sind mir vollkommen egal. Noch mehr, als ich dachte. Mit denen verbinde ich gar nichts. Ich merke, dass meine Abneigung nicht reicht, um so richtig motiviert zu sein. Es fühlt sich an, als würden deren sich durchaus redlich bemühende Fans (Bei denen sich im persönlichen Kontakt immer wieder rausstellt, dass das tatsächlich auch Menschen sind. Manchmal sogar nette.) so tun, als wären sie echte Fußballfans. Sie spielen es nur. Wie würde denn bitte die Jungs von Lok oder Chemie ausrasten, wenn die jetzt dort stünden und ihre Mannschaft 1:0 führt. Gegen Dresden! Gegen Scheiß Dynamo! Aber von denen die ihren Platz eingenommen haben, kommt wenig. Trotz Führung. Sie bekommen von uns auch kein „Warum seit ihr Huren so wenig….“ oder „Leipzig, ihr Hunde. Habt ihr Lust zu spielen…“ Das wäre zu viel der Ehre. Wozu auch? Kommt ja ohnehin nichts zurück. Aber wir sind für sie wahrscheinlich auch nur irgendein Gegner auf dem Weg zu Real Madrid. Sie haben nichtmal den Gästeblock voll bekommen, obwohl es nur 110 Kilometer sind.

Dieser 8er von Leipzig macht mich wahnsinnig. Der ist überall. Ein bisschen wie bei Hase und Igel. Wo der Ball hinkommt, ist Keita schon da. Der muss sich doch ein Lachen verkneifen, wenn er mal wieder Stefaniak abkocht.

Jetzt läuft „Steffi“ auch noch ins Aus. Mit dem Ball am Fuß. So kann das nichts werden. Der Kutschke bekommt auch gar kein Bein auf den Boden. War der eigentlich schon mal am Ball? Was hat der Neuhaus überhaupt für eine Truppe heute aufs Feld geschickt? Wo ist Torjäger Pascal „Paco“ Testroet? Warum spielt Antreiber Lumpi Lambertz nicht? Warum lässt der nicht mit zwei Stürmern spielen, wie sonst auch? Spätestens seit Mehmet Scholls Rüffel an Jogi Löw nach dem Italienspiel, weiß auch der letzte Kreisklasse-Trainer, dass es gar nicht geht, seine Taktik auf den Gegner einzustellen. Aber unser Herr Trainer ignoriert diese Weisheit einfach.

Und was macht der Schwäbe im Tor… Seine Spieleröffnung ist eine Katastrophe. Jeder Abschlag oder lange Ball landet beim Gegner, im Niemandsland oder verlässt gleich das Spielfeld. Dann hält er nichtmal den Kopfball von Sabitzer. Den hätte sogar ich mit der Mütze gefangen. 0:2. Pause. Der Capo motiviert uns: In der 2. Halbzeit nochmal richtig Ballett. Alles für die Mannschaft geben. Ich würde mir wünschen, das die Mannschaft mir mal was gibt. Nur eine Kleinigkeit. Was zum aufputschen. Oder bin ich gar ein Erfolgsfan und müsste auf der anderen Seite stehen?

Unterdessen wird mir DER Hoffnungssatz in Dauerschleife um die Ohren gehauen. „Denk an Leverkusen“. Stadionsprecher, Interviewpartner in der Halbzeitpause, Mitsteher um mich herum, mein Bruder. Alle reden nur von Leverkusen (2011 hatte Dynamo als Zweitligaaufsteiger in der 1. DFB-Pokalrunde gegen Bayer 04 gespielt und 0:3 zurückgelegen. Das Spiel aber am Ende 4:3 nach Verlängerung gewonnen). Aber es kann ja auch im Pokal nicht immer ein „Leverkusen“ geben, wenn wir es uns wünschen. Und die Leipziger sind heute zu stark, zu abgebrüht. Immerhin haben sie das viele Geld für ordentliche Spieler ausgegeben.

Anpfiff zweite Halbzeit. Elfmeterpfiff für Dynamo. Kutschke läuft an. Der verschießt doch! Der Druck gegen seinen Ex-Verein ist einfach zu groß. Und so gut ist er ja nun auch nicht. Wieso lassen die ausgerechnet den ran? Tor! 1:2. Jaaa Kutschkeeee. Fußballgott! Los jetzte. Jetzt ist Feuer drin. Die Fans sind die Wand, die Sitzplätze stehen. Aber so richtig beeindruckt wirken die Leipziger davon immer noch nicht. Wissen die denn nicht, wen sie hier vor sich haben? Aber wir gehen ab und zeigen, wofür wir stehen, wer wir sind, was uns ausmacht: bedingungslose Leidenschaft. Aosman ist heute so stark, kämpft, fordert den Ball, lässt auch mal einen aussteigen. Ganz große Vorstellung. Genau wie Stefaniak. Da werden sich die Rasenballer aber ärgern, dass sie den noch nicht verpflichten konnten. Kutschke, dieser Zauberfuß macht sogar noch das 2:2. Was für eine Mannschaft! Schon wieder einen Rückstand egalisiert. Hut ab, vor diesem Trainer, der zu so einem wichtigen Spiel diese sensationelle Aufstellung aus dem Hut zauberte. Alles richtig gemacht. Und von RB kommt nichts mehr. Dünne. Behäbig. Wofür haben die eigentlich ihre Millionen ausgeben? Auf dem Spielfeld sieht man nichts davon. Verlängerung. Die Spieler sind stehen K.O., nutzen jede Gelegenheit, sich die Krämpfe aus den Beinen zu dehnen. Elfmeterschießen. Ich bin stehend KO. Seit mehr als 120 Minuten nichts getrunken und vorher auch nur Alkohol. Im Block ein Dunst wie im Dampfbad. Stimmbänder kaputt. Aber für diese tolle Mannschaft habe ich gern alles aus mir raus geholt. Schwäbe, dieser Teufelskerl, hält den Elfer von Kaiser. Gogia und Aosman verwandeln. Sieg! Leipzig ist das neue Leverkusen! Jetzt fühlt es sich wieder gut an. Wir Gallier haben es den Erobern nochmal so richtig gezeigt. Sportlich. Auf dem Platz. Auf den Rängen. Für einen Tag war Dynamo gefühlt der beliebteste Verein Deutschlands. Gratulationen von Anhänger aller Vereine stapelten sich bei Facebook. Bis die Nachricht die Runde macht, dass ein echter Bullenkopf vom Fanblock in den Innenraum befördert wurde. Und schon waren die meisten Sympathien wieder dahin.

Egal, damit könnte man als Dynamofan ohnehin nicht umgehen. Aber wir bleiben die Nummer eins in Sachsen. Mindestens bis zum nächsten direkten Duell und das wird hoffentlich sehr sehr weit in der Zukunft liegen.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen bei Vice Sports Deutschland.

Huch! Bullenkopf fällt aus dem Dynamoblock

August 21, 2016 6 Kommentare

Immerhin! Dynamo Dresden wird künftig in einem Atemzug mit dem FC Barcelona genannt. Einer (oder mehrere) von deren Fans warfen bekanntlich mal einen Schweinekopf nach Luis Figo, weil der zu Real Madrid gewechselt war.  Bei Barcelonafans liest sich eine solche Tat edel und nach feurigen Spaniern, die in ihrem Stolz verletzt wurden. Bei Dynamofans eher nach Assi-Ossis. Weiterlesen …

Dynamo Dresden gegen RB Leipzig. Szenen eines Spiels

August 19, 2016 2 Kommentare

Deutschland erwartet Großes am Sonnabend. 1. Runde DFB Pokal, 15:30 Uhr. Dynamo Dresden empfängt den unbeliebtesten Bundesligisten aller Zeiten. Die den deutschen Eventsport belebenden Frischlinge von RB Leipzig gegen die schwarzen Schafe des DFB-Landes. Der ultimative Kampf morgen gegen gestern. Das Spiel Zivilisation gegen Chaos, Entertainment gegen Leidenschaft.
Seit die ostdeutsche Spitzenfußballverheißung in Leipzig konstruiert wurde, gab es erst eine Begegnung dieser beiden Mannschaften. 2011 spielte Dynamos zweite Mannschaft im Sachsenpokal gegen die damals noch in der 4. Liga feststeckenden Leipziger. Das Spiel interessierte in Dresden niemanden, weil die 1. Mannschaft gerade damit beschäftigt war, die Relegation zur 2. Liga für sich zu entscheiden. Danach stiegen die beiden Teams stets aneinander vorbei auf bzw. ab. Während sich also die Traditionsverteidiger von so gut wie jedem anderen Verein an Rasenball abarbeiten konnten, blieb der unmittelbare Nachbar davon verschont. Oder besser, blieb man in Leipzig vor dem unmittelbaren Nachbarn verschont. Bis die 1. DFB-Pokal-Runde 2016/17 ausgelost wurde. Weiterlesen …

Jetzt bedroht Dynamo die Demokratie

Während der Großteil der deutschen Presselandschaft das Sommerloch mit der Verarbeitung mörderischer Gewaltausbrüche in Bayern überbrückt, schaute die Hannoversche Allgemeine Zeitung etwas genauer hin und entdeckte ausgerechnet für den 11. September (!!!) Bedrohliches. Denn bereits jetzt werfen die Dynamohorden ihre langen Schatten voraus. Weiterlesen …

RB-Leipzig-Ultras boykottieren Pokalspiel in Dresden

Juli 22, 2016 11 Kommentare

Das mit Hochspannung erwartete Risikospiel zwischen Dynamo Dresden und RB Leipzig in der 1. Runde des DFB-Pokals droht bereits Wochen im Voraus an Brisanz zu verlieren. Die größten Ultra-Gruppierungen der Leipziger Szene rufen zu einem Boykott der Partie auf! In einer gemeinsamen Stellungnahme kündigen die „Horda Goldesel“, die „Rote-Brause-Crew“ und die „Sektion Konstrukt-Boyz“ an, nicht nach Dresden zu fahren. Weiterlesen …

Nach Dynamos Lilaschwein-Gate. Neuer DFB-Strafenkatalog aufgetaucht

Juli 19, 2016 1 Kommentar

Der sehr weise und gerechte Deutsche Fußballbund hat vor einigen Tagen Dynamo zu 20.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Selbstverständlich vollkommen zu Recht, denn der Dreck an unserem Stecken begann schon wieder zu verkrusten. In der Summe sind mehrere Missetaten zusammengefasst – quasi eine Art Treue-Rabattsystem. Bis hierhin ist das natürlich nicht weiter erwähnenswert. Dass wurde es erst durch Tim Schlegel, der etwas erfuhr und es uns in der Bild wissen ließ: Weiterlesen …

Als ich mit Dynamo fast im Europapokal gelandet wäre

Juni 25, 2016 7 Kommentare
niemehrdritteliga

Zum Bestellen aufs Bild klicken.

Der Spuckelch wird jetzt auch Kommerz und verhökert seine erfolgreichsten Texte in Buchform. Wie vielen Fans aufgefallen sein dürfte, gab es bisher nur wenige Bücher, die sich mit der SG Dynamo Dresden befassen – im Vergleich zu Koch- oder Diätbüchern. Die schwarz-gelbe Literatur füllt maximal eine mittelgroße Bücherei.
Genau deshalb kommt „Nie mehr 3. Liga. Als ich mit Dynamo fast im Europapokal gelandet wäre“ gerade zum richtigen Zeitpunkt. Denn es schließt eine Lücke, von der bisher niemand wusste, dass es sie gibt. Weiterlesen …

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 36 Followern an