Relegation ist der Europapokal des kleinen Mannes

Mai 22, 2013 2 Kommentare

Selbstgespräch zur Nervenberuhigung – bei Ruhepuls 130 (steigend)

Showdown

Der Motto-Hit des Tages. Es ist (nicht) alles schlecht in oder auf dem Weg nach Osnabrück. Oft genug anschauen und das Spiel heute Abend ist in jedem Fall vergleichsweise schön.

 

Eine detaillierte Spielvorbereitung gibt es vom Ballsalat, diesmal sogar mit einem emotionalen Dressing garniert. Absolut lesenswert; Wer allerdings nicht so genau wissen will, wie gut, eingespielt und verschworen die Truppe des VfL Osnabrück ist, sollte nach der Einleitung abbrechen.

Noch ein Tag…

Auch die BILD versucht die Zeit totzuschlagen und verrät, wie Dynamo Osnabrück austricksen könnte. Man trainiert mit Puma Bällen, wohnt im gleichen Hotel wie 2011 und Osnabrück bekommt fürs Rückspiel nur 1200 Gästekarten. Dann kann ja nichts mehr schief gehen. Dem VfL dürfte das Blut in den Adern gefrieren. Hütchenspieler Walter gab übrigens auch bekannt, wie er seine Opfer austrickst. Er benutzt eine Kugel der Marke „Erbse“, trägt immer eine blaue Glückssocke und rennt vor der Polizei weg.

Philosophisches Duell: „Zu wissen, was man weiß, und zu wissen, was man tut, das ist Wissen.“ (Konfuzius, chinesischer Philosoph) – „Was wir wissen müssen, das wissen wir auch, behalten das aber für uns. Wichtiger ist ohnehin, was wir selbst machen“ (Peter Pacult, Dynamo-Trainer) – Klar soweit?

Überstrapazierter Auswärtsfluch: „Hoffentlich verlieren wir das Auswärtsspiel mit nur einem Tor Differenz.“ Das hört sich so an wie: „Wenn ich Frauenkontakt will, geh ich in die Disko und berühre sie „zufällig“ beim Tanzen.“

Nebenbei bemerkt, dass Pele Wollitz gar nicht mehr Trainer in Osnabrück ist. Also. VfL weghauen, Pacult raushauen, Wollitz holen. In dieser Reihenfolge.

Für jedes geschossene Dynamo-Tor gibt es beim Public Viewing im Stadion ein Freibier pro Besucher. Statistisch gesehen wird sich  jeder Fan 0,8 Freibier hinter die Binde kippen.

1:2 Hinspielniederlage. Im Rückspiel führt Osnabrück bis zur 82. Minute mit 1:0. Ouali trifft in der 83. zum Ausgleich und besorgt in der 88. die Führung. Fiel haut in der 92. einen Freistoß rein – 3:1. Das Stadion explodiert und ich wache auf. Die kalte Morgendusche konnte ich mir heute sparen.

Eine Umfrage zur Bestätigung der eigenen Überzeugung. 

Noch zwei Tage bis zum Abstiegsrelegationspiel der ruhmreichen SGD in Osnabrück.

Blöd nur, wenn die Hände zu sehr zittern, um die Punkte zu finden und zu drücken…

Wo Schatten ist, ist auch Licht. Deshalb an dieser Stelle die Glühwürmchen der Relegation:

  • Das Champions-League-Finale verliert noch mehr an Bedeutung.
  • Herzmuskel- Workout,
  • kürzere Sommerpause
  • endlich mit Sicherheit wissen, dass es Relegation, nicht Religation heißt, obwohl beim Kosewort Reli statt Rele gesagt wird
  • ???

Wie korrupt ist eigentlich der Fußballgott? Hinrunde Platz 14, Rückrunde Platz 11, warum landet die größte SGD dann auf Platz 16? Und seit dem 41 Punkte-Abstieg 2006 haben 37 Punkte immer gereicht, um die Liga locker zu halten. Vergangene Saison wurde man damit 12. Positiv gesehen war also noch nie ein so starker Zweitligist in der Reli. Das große ABER: Osnabrück ist  der bisher punktstärkste Drittliga-Gegner. 73 Punkte hätten in den vergangenen Jahren immer den direkten Aufstieg bedeutet.

Kann man gegen Osnabrück schon von einem Relegationsklassiker sprechen? Wikipedia meint nein, aber die gelten auch nicht als vertrauenswürdig.

Ansichtssachen

Mai 15, 2013 1 Kommentar

Zumindest bei den verschiedenen Sichtweisen auf den geliebten Verein kann man sich nicht über Perspektivlosigkeit beklagen. Der Champions-League-Sieger des Herzens ist doch letztlich  eines der am besten supporteten Kasperletheater.

ansichtssache

Sensation! Forscher klonen Fußballfans

RB-Leipzig-Besucher (li.) und Chorknaben (li.) unmittelbar vor der Vereinigung

Nachdem es Zellbiologen gelungen ist, menschliches Leben zu klonen, bahnt sich die nächste wissenschaftliche Sensation des Jahrzehnts an – die Reproduktion des idealen Fußballfans. Deutsche Forscher ließen aus Hautzellen von Sky-Abonnenten,  Chorknaben und RB-Leipzig-Besuchern lebensfähige Fußballzuschauer der Zukunft entstehen. In Kulturschalen voller Entertainment- und Merchandising-Nährflüssigkeit entwickelte sich die Arenen-Füllmasse prächtig.

Der pflegeleichte, klatschpappende, mitschunkelnden und geldausgebenden Fan ist keine Zukunftsmusik mehr

Endlich scheinen sich die millionenschweren Investitionen der DFL-Vereine in die Grundlagenforschung auszuzahlen. Nun gehe es darum, möglichst schnell mit der Serienreproduktion zu beginnen. Dafür wurde dem Forscherteam bereits ein lukatives Angebot unterbreitet, in Zukunft ausschließlich für den deutschen Fußball zu arbeiten. „Bei uns finden sie die Arbeitsbedingungen vor, von denen Wissenschaftler träumen. Es wird ausschließlich aufs Geld und die Kopiererfolge geschaut, ohne sich um lästige moralische Fragen, wie Verantwortung und Nachhaltigkeit, kümmern zu müssen“, erklärte Verbands-Sprecher Hubert Schniddchen.

Eine Gefahr, dass die Pläne durch das Embryonenschutzgesetz verhindert werden könnten, sehen die Macher nicht. Es sei äußerst zweifelhaft, dass Fußballfans überhaupt zur Gattung der Menschen zählen und ihnen die gleichen Rechte und Schutzpflichten zustünden, wie einem Normalen. Bereits in der aktuellen Fan-Politik von DFB und DFL werde nicht davon ausgegangen.

Der Großteil der Vereine reagierte zunächst zurückhaltend auf die Nachricht. Offenbar hätten die Forscher gute Arbeit geleistet. Doch das Endprodukt müsse sich nun auch im Einsatz bewähren – zu jeder vorgeschriebenen Anstoßzeit für fernsehübetragungstaugliche Stimmung zu sorgen und kritiklos jeden Preis zu zahlen. Darüber hinaus müsse in der Praxis nachgewiesen werden, ob das widerspruchslose Hinnehmen ausreichend ausgeprägt ist.

Die Innenministerkonferenz appellierte an die Vereine, den serienreifen Zujubler möglichst schnell in den Spielbetrieb zu integrieren: „Denkbar wäre, durch Stadionverbote frei gewordene Plätze direkt durch Klone zu ersetzen. Selbstverständlich müssten die Vereine die Stadionverbotspraxis deutlich konsequenter umsetzen.“ Auch eine DNA-gebundene Eintrittskartenregelung ist im Gespräch.

Die Gewerkschaft der Polizei warnte vor den unabsehbaren Folgen für die Kollegen im Einsatz. „Wenn sich Fans nicht mehr provozieren lassen oder noch schlimmer sich überhaupt nicht mehr für die Polizei interessierten, fürchten wir unabsehbare  psychische Belastungen für einen Teil unserer Einsatzkräfte.“ Sinnkrisen seien wahrscheinlich. Außerdem kann das Abbauen  der Aggressionsstaus auf beispielsweise Straßenfesten nicht mehr ausgeschlossen werden.

Abstiegskampfbingo

Das Warten auf das nächste „Abstiegsendspiel“ spielerisch meistern, mit Spuckelchs Abstiegskampfbingo.

Die Regeln dürften klar sein: Taucht eine der Floskeln in einem Pressebericht, Spielerinterview, auf Pressekonferenzen, in Stammtischrunden oder Facebookdiskussionen auf, wird diese auf dem Spielbogen angekreuzt und bei jedem Treffer ein alkoholisches Getränk eigener Wahl hintergekippt. Bereits nach wenigen erfolgreichen Runden führt das zu einer Lockerung der angespannten Fanseele.

Wenn am Spieltag die Kreuze auf dem Bingozettel ein D ergeben, darf das als eindeutiges Zeichen des Fußballgottes gewertet werden.

   

Fußballgott

brauchen die  Unterstützung unserer tollen Fans

taumelt der 3. Liga entgegen

Vertrauen in  Heimstärke

Nerven liegen blank

 müssen aufstehen

hilft nur noch ein Wunder

nach vorne schauen

auf Schützenhilfe angewiesen

 Leistungs-steigerung

Charakter der Mannschaft

richtige Reaktion zeigen

kämpfen, beißen, kratzen

eklatante Abschluss-schwäche

aus eigener Kraft nicht mehr zu schaffen.

  nicht zweitliga-tauglich

 geben sich kämpferisch

nicht auf die Anderen schauen.

bittere Gang in die Relegation

 dreckiger Sieg

90 Minuten um unser Leben rennen.

 mit zwei Stürmern

 geht ums Überleben

 gibt keinen Schönheitspreis

enttäuschende Saison

Das Bingoformular gibt es hier zum Runterladen und Ausdrucken. 

60 Jahre SGD. Wir bleiben, wie wir sind

April 11, 2013 5 Kommentare

Dynamo Dresden – Ihr seid doch? Genau! Die Bremse der Fußballspaßgesellschaft. Die Ontologie des Proletensports. Die Feldstudie soziologischer Ursachenforschung von Fangewalt. Das Schwarze am Gelben.

Daniela Baack_pixelio

Daniela Baack_pixelio

Gerne präsentiert sich die zum Verein gehörende Stadt als Musterschüler des Ostens. Wirtschaftswachstum, Frauenkirche, Semperoper, Grünes Gewölbe – der Frühling einer blühenden Landschaft. Dagegen hat der selbsternannte Traditionsverein seit Jahren die Sonne nicht gesehen und täuscht vor, solide daran zu arbeiten, dort hinzukommen, wo er nach eigener Einschätzung hingehört. Und wir Fans glauben daran.
Es mag heute paradox klingen, der Erfolg hat mich zu Dynamo geführt. Das Erreichen des Halbfinales im UEFA-Cup 1989 und der spielerische Glanz von Matthias Sammer, Ulf Kirsten, Hans-Uwe Pilz und Ralf Minge verstellten mir den Blick auf eine zukunfstorientierte Lieblingsvereinswahl. Mit glänzenden Augen lauschte ich den Geschichten der Alten. Darin verdrängten der Dresdner Kreisel, Fritsch, Dörner, Heidler, Kotte, Häfner die Kindheitsfiguren Ottokar, Timur und Tokei-ihto aus meinem Heldenkosmos.

Die 1991 gesicherte Qualifikation für die Bundesliga wurde als normal hingenommen und der im Größenwahn vollzogene Niedergang nahm seinen Lauf.
Schon immer begleitete Dynamo die Gewissheit, von den Mächtigen der Fußballschattenwelt betrogen zu werden. In den goldenen Jahren zahlreicher DDR Vizemeisterschaften waren wir Stasi-Mielke ausgesetzt, der die Schiedsrichter die verhassten Dynamos aus Berlin zur Meisterschaft pfeifen ließ. In der Bundesliga mussten wir uns nun nach vierjährigem galliergleichen Kampf gegen die Übermacht aus der Stadt des Römers geschlagen geben. Lizenzentzug, Regionalliga, später sogar 4. Liga – als müssten die Rolling Stones durch Baumärkte tingeln.
Spätestens seit dieser Schmach tragen Dynamofans das D wie ein selbst auferlegtes Stigma mit einer Mischung aus Stolz und Trotz.

Entsprechend ernst nehmen wir uns. Ununterbrochen wird sich bei jedem der es hören muss dafür gerechtfertigt, warum Dynamo ein Traditionsverein und die Nummer 1 im Osten ist, wir auch friedliche Fans haben und im Stadion fast nie Naziparolen zu hören sind.

Unabhängig von der Liga wurde einst eine Stadionruine, heute eine ruinierende Arena gefüllt. Egal was die jeweils verantwortlichen Balltreter unserer Netzhaut antun. Immer getragen von der Illusion auf bessere Zeiten – Dank einer dem Dynamofan in den Genen liegenden Mischung aus rigoroser Tatsachenignoranz und entrückter Traditionsverein-Selbstüberhöhung.

Von Zeit zu Zeit kommen wir in die Nähe unserer Welt. 2004 der Aufstieg in die 2. Liga. Von der Vereinsführung bis zum Mitläufer war es sofort jedem klar: eine Zwischenstation auf dem Weg zum internationalen Geschäft. Schließlich handelte es sich nicht um irgendeinen Zweitliganeuling, sondern um die international renommierte SG Dynamo Dresden, mit der Erfahrung von 98 Europapokalspielen! Eine Zwischenstation war es tatsächlich – nur in die falsche Richtung. Mit dem um fünf Jahre verspäteten sofortigen Wiederaufstieg wurde der Angriff auf Europa fortgesetzt. Der steckt zwar gerade Abstiegssumpf fest, aber diesmal zieht uns der Pacult da raus. Und falls nicht …

Auf ein paar Jahre, einige zwielichtige Gestalten in Geschäftsführung und Präsidium, unmotivierte Söldner, Trainerentlassungen und Existenzbedrohungen mehr oder weniger kommt es nun auch nicht mehr an. Wir haben Geduld und werden es der Welt beweisen: Irgendwann schießt Tradition wieder Tore – auch im Europapokal. Bis dahin feiern wir uns weiter selbst!

Breaking News: Nazis in Dresden gefunden!

April 9, 2013 9 Kommentare

Mal wieder hat sich der magischerfc -blog ausführlich dem Nazisumpf in Fußballdresden gewidmet. Zur Auswärtsfahrt bei Dynamo war jedem aufrechten Kiez-Anitifaschisten klar, was auf ihn zukommt.  Trotzdem haben sich viele getraut. Je näher das Ziel kam, umso mehr machte sich Anspannung unter ihnen breit. Die Geschwister Scholl können sich nicht gefährdeter gefühlt haben, als sie Flugblätter druckten und verteilten. Dem mulmigen Gefühl trotzend machten sich die aufrechten Pauli Anhänger auf den beschwerlichen Weg ins braune Stadion. Und sie fanden natürlich, was sie suchten: Nazis und Sexisten im Überfluss und selbstverständlich die typisch sächsische wegschauende Polizei.

Als  Pauli Fan hat man es sich sehr gemütlich damit eingerichtet, aus dem Hort der politischen Korrektheit und intellektuellen Überlegenheit mit dem Finger auf die Hässlichen und Dummen des Fußballs zu zeigen. Macht man das in Dresden, kann man sich sicher auch ein paar Widerstandsbonuspunkte ins Antifaschistenheftchen gutschreiben lassen.

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Initiative gegen Todesfallen im Stadion

März 29, 2013 5 Kommentare

Im Heimspiel gegen Köln war nun auch der K-Block auf den Kindergeburtstagszug aufgesprungen und zündelte mit Wunderkerzen. War ja klar, dass die unbelehrbaren Dresdner sich diesem gefährlichen Trend anschließen, der aus Kaiserslautern und von St. Pauli durch die Liga schwappt. Ohne nachzudenken wurden Menschen leichtfertig mit dem Feuertod bedroht und mein Seidenblouson ruiniert.

Gott sei Dank übernimmt der Schutzpatron der wahren Fans das Denken. Der DFB verbannt die Wunderkerzen aus den Kurven. Hut ab vor so viel Courage! Mal wieder wird der Verband auch seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht.

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